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Bakterielle Vaginose: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die bakterielle Vaginose (BV) ist durch eine Dysbiose mit Gardnerella-dominanten Biofilmen und Laktobazillen-Mangel gekennzeichnet.
  • Die orientierende Diagnostik erfolgt klinisch anhand der Amsel-Kriterien und dem mikroskopischen Nachweis von Clue Cells.
  • Die Labordiagnostik sollte eine Gram-Färbung mit Auswertung nach dem Nugent-Score oder Hay-Ison-Score umfassen.
  • Therapie der ersten Wahl sind Clindamycin oder Metronidazol (oral oder topisch) sowie lokale Antiseptika.
  • In der Schwangerschaft wird primär Clindamycin oder ein lokales Antiseptikum empfohlen.
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Hintergrund

Die bakterielle Vaginose (BV) ist die weltweit häufigste urogenitale Störung bei Frauen im sexuell aktiven Alter. Sie ist gekennzeichnet durch eine stark erhöhte Bakterienzahl, eine hohe Diversität an anaeroben Bakterien und die Verdrängung der protektiven Laktobazillen.

Gardnerella species sind die prädominanten Bakterienarten mit dem höchsten Virulenzpotential. Sie bilden einen Biofilm auf dem Vaginalepithel, in den weitere BV-assoziierte Bakterien integriert sind. Dieser Biofilm ist eine wesentliche Ursache für Therapieversagen und chronisch-rezidivierende Verläufe.

Symptomatik

Das charakteristische Symptom der BV ist ein verstärkter, homogener vaginaler Fluor.

  • Dünnflüssiger, gräulicher bis leicht milchiger Ausfluss
  • Fischiger Geruch (Amingeruch), bedingt durch Stoffwechselprodukte anaerober Bakterien
  • Vaginaler pH-Wert > 4,5
  • Gelegentlich Irritationen wie Brennen, Rötung, Juckreiz oder Dyspareunie

Diagnostik

Frauen mit vulvovaginalen Beschwerden, vor allem bei dünnflüssigem, homogen gräulichem Ausfluss und alkalischem pH-Wert, sollen bezüglich einer bakteriellen Vaginose abgeklärt werden.

Die orientierende Diagnostik erfolgt klinisch anhand der Amsel-Kriterien. Eine BV liegt vor, wenn 3 der 4 Kriterien erfüllt sind:

Amsel-KriteriumBeschreibung
1. FluorHomogener, grau-weißlicher Ausfluss
2. pH-Wert> 4,5
3. AmintestFischiger Geruch (verstärkt nach Zugabe von 10% KOH)
4. Mikroskopie≥ 20% Schlüsselzellen (Clue Cells) im Nativpräparat

Die Labordiagnostik sollte nach erfolgter orientierender Diagnostik die Gram-Färbung mit einer quantitativen Gegenüberstellung von verschiedenen Morphotypen im Sinne des Nugent-Scores umfassen.

Nugent-ScoreInterpretationMikroskopisches Bild
0-3NormalLaktobazillen dominieren
4-6IntermediärGemischte Flora, keine klare Aussage möglich
7-10Bakterielle VaginoseGardnerella/Mobiluncus dominieren, kaum Laktobazillen

Molekulargenetische Verfahren (FISH, PCR, NGS) spielen in der klinischen Routine eine untergeordnete Rolle und sind speziellen Fällen vorbehalten.

Therapie

Die Therapie der bakteriellen Vaginose soll nur nach einer korrekt durchgeführten und ärztlich gesicherten Diagnose erfolgen. Asymptomatische Frauen profitieren indirekt durch die Risikoreduktion von Folgeinfektionen (z.B. PID, STI).

Die Therapie soll mit oralem oder topischem Clindamycin, oder mit Metronidazol erfolgen. Alternativ können lokale Antiseptika zur Anwendung kommen.

WirkstoffApplikationDosierungDauer
Clindamycinoral300 mg (2x täglich)7 Tage
Clindamycinvaginal2% Creme (1x täglich)7 Tage
Metronidazoloral500 mg (2x täglich)7 Tage
Metronidazolvaginal0,75% Gel oder 100 mg Ovula (1x täglich)5-7 Tage
Dequaliniumchloridvaginal10 mg (1x täglich)6 Tage
OctenidinvaginalSpray/Applikator7 Tage

Therapie in der Schwangerschaft

Frauen mit symptomatischer bakterieller Vaginose in der Schwangerschaft sollen zwecks Beschwerdereduktion sowie Reduktion von Schwangerschafts- und Wochenbettkomplikationen behandelt werden.

Die Therapie soll primär mit Clindamycin erfolgen. Alternativ können vaginale Antiseptika zur Anwendung kommen. Clindamycin ist aufgrund seiner anti-inflammatorischen Wirkung und des breiten Spektrums besser geeignet als Metronidazol.

Chronisch-rezidivierende Verläufe

Von einer chronisch-rezidivierenden BV spricht man bei mindestens 3 Episoden pro Jahr. Ursache ist oft der schwer zu durchbrechende Gardnerella-Biofilm.

Die Therapie sollte mit lokalen Antiseptika oder einer suppressiven Erhaltungstherapie mit topischem Metronidazol, gefolgt von vaginalen Probiotika erfolgen.

Milchsäure und Probiotika können nach Abschluss der medikamentösen Therapie komplementär angewendet werden, um die Laktobazillen-Flora wiederaufzubauen und Rezidiven vorzubeugen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei chronisch-rezidivierenden Verläufen (≥ 3 Episoden/Jahr) lokale Antiseptika oder eine suppressive Erhaltungstherapie mit topischem Metronidazol, gefolgt von Probiotika, um den Gardnerella-Biofilm zu durchbrechen.

Häufig gestellte Fragen

Drei von vier Kriterien müssen erfüllt sein: homogener grau-weißer Fluor, pH-Wert >4,5, fischiger Amingeruch (ggf. nach KOH-Gabe) und Nachweis von ≥20% Clue Cells im Nativpräparat.
Symptomatische Schwangere sollen primär mit Clindamycin (oral/vaginal) oder lokalen Antiseptika behandelt werden, um Komplikationen wie Frühgeburten zu reduzieren.
Von einer chronisch-rezidivierenden bakteriellen Vaginose spricht man bei mindestens 3 Episoden pro Jahr. Ursache ist oft ein persistierender bakterieller Biofilm.
Sie können nach Abschluss der antibiotischen oder antiseptischen Therapie komplementär angewendet werden, um die Laktobazillen-Flora wiederaufzubauen und Rezidiven vorzubeugen.

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