ClariMedClariMed

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Leitlinie (DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die FSME verläuft häufig biphasisch und manifestiert sich in der zweiten Phase als Meningitis, Meningoenzephalitis oder Meningoenzephalomyelitis.
  • Die Diagnose erfordert den Nachweis von FSME-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern im Serum sowie eine Pleozytose im Liquor.
  • Es existiert keine kausale antivirale Therapie; die Behandlung erfolgt rein symptomatisch (Fiebersenkung erst ab >39 °C).
  • Die aktive Impfung wird allen Personen ab 1 Jahr vor Aufenthalt in Risikogebieten empfohlen.
  • Eine postexpositionelle Prophylaxe (passive Immunisierung) nach Zeckenstich ist nicht mehr verfügbar.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch das gleichnamige Virus verursacht. Hauptüberträger sind Zecken (Ixodes ricinus in Westeuropa).

  • Übertragungswege: Hauptsächlich durch Zeckenstich (Übertragung in den ersten Stunden). Selten durch unpasteurisierte Milch/Käse oder Organtransplantationen.
  • Risikogebiete: Die Endemiegebiete weiten sich aus. Mittlerweile gilt z. B. die gesamte Schweiz (außer Genf und Tessin) als Risikogebiet.

Klinisches Bild und Verlauf

Ca. 70 % der Patienten zeigen einen charakteristischen zweigipfligen Fieberverlauf.

PhaseZeitraumSymptome
InkubationØ 10 Tage (5–28)Asymptomatisch
Prodromalphaseca. 1 WocheGrippeähnlich, Fieber, Kopfschmerzen
Latenzwenige TageVorübergehende Besserung, fieberfrei
Neurologische Phase2. FieberanstiegZNS-Manifestation

Manifestationsformen der neurologischen Phase:

  • Meningitis (ca. 50 %): Fieber, starke Kopfschmerzen, reduziertes Allgemeinbefinden.
  • Meningoenzephalitis (ca. 40 %): Ataxie, Bewusstseinsstörungen, Hirnnervenlähmungen.
  • Meningoenzephalomyelitis (ca. 10 %): Schlaffe Lähmungen (Poliomyelitis-ähnlich, oft bibrachial), oft assoziiert mit Hirnstammenzephalitis (Atemlähmung, Schluckstörungen).

Diagnostik

Die Diagnose basiert auf Anamnese, Klinik und Labor/Liquor.

Diagnosekriterien:

  • Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet
  • Typische Klinik (Fieber, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle)
  • Nachweis von FSME-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern im Serum
  • Pleozytose im Liquor (sehr selten normale Zellzahl)

Hinweise zur Serologie: Nur der gleichzeitige Nachweis von IgM und IgG beweist die akute Infektion. Isoliertes IgM kann eine Kreuzreaktion sein (Kontrolle nach 1–4 Wochen). Bei Vorimpfungen (z. B. Gelbfieber) ist die Serologie schwer interpretierbar; hier hilft der Antikörper-Index im Liquor oder der NS1-Antikörper-Nachweis.

Therapie

Es steht kein kausal wirksames Virustatikum zur Verfügung. Die Therapie erfolgt rein symptomatisch.

  • Fiebersenkung: Unter Abwehraspekten erst ab einer Körpertemperatur > 39 °C.
  • Immunmodulatoren: Keine Glukokortikoide verabreichen (Gefahr der Verschlechterung der Immunabwehr).
  • Überwachung: In den ersten 72 Stunden 6-stündliche Überprüfung von neurologischem Befund und Vitalkapazität (Gefahr der fulminanten Atemlähmung).

Prognose

Die Prognose hängt stark von der Verlaufsform sowie von Alter und Geschlecht ab. Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind ein Alter > 60 Jahre, männliches Geschlecht und Immunsuppression.

VerlaufsformPrognose und Defektheilung
MeningitisHeilt in der Regel folgenlos aus
MeningoenzephalitisCa. 20 % dauerhafte Defizite (Konzentration, Koordination, Lähmungen)
EnzephalomyelitisSchlechteste Prognose: 30 % Letalität, 50 % dauerhafte Defizite

Prävention und Impfung

Die aktive FSME-Impfung wird allen Personen ab Vollendung des 1. Lebensjahres vor Aufenthalt in Risikogebieten empfohlen. Eine durchgemachte FSME hinterlässt lebenslange Immunität.

ImpfstatusEmpfehlung / Intervall
Grundimmunisierung3 Dosen (Tag 0, 1–3 Monate, 9–12 Monate)
1. AuffrischungNach 3 Jahren
Weitere Auffrischungen (< 50 Jahre)Alle 5 Jahre
Weitere Auffrischungen (> 50 Jahre)Alle 3 Jahre

Wichtig: Eine postexpositionelle Prophylaxe (passive Immunisierung mit Hyperimmunglobulin) nach einem Zeckenstich wird nicht mehr angeboten und ist nicht möglich.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei FSME-Patienten auf die Gabe von Glukokortikoiden, da diese die Immunabwehr verschlechtern können. Senken Sie das Fieber erst ab einer Temperatur von > 39 °C.

Häufig gestellte Fragen

Nein, es steht kein kausal wirksames Virustatikum zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch.
Die erste Auffrischung erfolgt nach 3 Jahren. Danach bei unter 50-Jährigen alle 5 Jahre, bei über 50-Jährigen alle 3 Jahre.
Nein, die postexpositionelle Gabe von spezifischem Hyperimmunglobulin (passive Impfung) wird nicht mehr angeboten und ist nicht möglich.
Durch den gleichzeitigen Nachweis von FSME-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern im Serum in Kombination mit einer Pleozytose im Liquor.
Die Meningoenzephalomyelitis. Hier versterben bis zu 30 % der Patienten, und 50 % behalten dauerhafte neurologische Defizite.

Verwandte Leitlinien