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Rhabdomyosarkome: Leitlinie (AWMF/GPOH)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Fusionsstatus (PAX3/7::FOXO1) ersetzt die Histologie als wichtigsten prognostischen Risikofaktor.
  • Die Therapie ist multimodal und umfasst Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie.
  • Eine primaere Komplettresektion wird nur bei kleinen Tumoren ohne Mutilationsrisiko (z.B. paratestikulaer) empfohlen.
  • Die Chemotherapie-Intensitaet (VA, IVA, IVADo) richtet sich nach der Risikogruppe (Low, Standard, High, Very High Risk).
  • Hochrisikopatienten erhalten eine Erhaltungstherapie mit Vinorelbin und Cyclophosphamid (6-12 Monate).
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Hintergrund

Das Rhabdomyosarkom (RMS) ist das haeufigste Weichgewebesarkom im Kindes- und Jugendalter (Altersgipfel ca. 5 Jahre). Die aktuelle Leitlinie unterteilt Weichgewebesarkome nun spezifisch in RMS und "nicht-Rhabdomyosarkom-artige" Tumoren, um der molekulargenetischen Heterogenitaet gerecht zu werden. Ein multimodaler Ansatz aus Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie ist essenziell.

Risikostratifizierung und Klassifikation

Der bisherige Risikofaktor Histologie wurde durch den Fusionsstatus (PAX3/7::FOXO1-Fusion) ersetzt. Er gilt neben Stadium und Lokalisation als wichtigster Risikofaktor.

FaktorGuenstig (Favorable)Unguenstig (Unfavorable)
Biologie/HistologieFusions-negativ (embryonal, botryoid, Spindelzell)Fusions-positiv (alveolaer)
LokalisationOrbita, Kopf/Hals (nicht-parameningeal), Urogenital (inkl. Blase/Prostata), GallenwegeParameningeal, Extremitaeten, andere
Groesse & Alter< 5 cm UND < 10 Jahre> 5 cm ODER ≥ 10 Jahre

Die postoperative Einteilung erfolgt nach der IRS-Klassifikation:

IRS-GruppeDefinition
Gruppe IPrimaere komplette Resektion (R0)
Gruppe IIMikroskopischer Resttumor (R1) oder primaere Komplettresektion mit Lymphknotenbefall (N1)
Gruppe IIIMakroskopischer Resttumor (R2)
Gruppe IVFernmetastasen bei Diagnose

Diagnostik

Die praetherapeutische Diagnostik sollte maximal einen Monat vor Therapiebeginn abgeschlossen sein:

  • Lokale Ausbreitung: MRT (Methode der Wahl, inkl. diffusionsgewichteter Bildgebung).
  • Lungenmetastasen: Thorax-CT (Schichtdicke max. 1-1,5 mm).
  • Lymphknoten und Fernmetastasen: FDG-PET-CT/MRT (alternativ Ganzkoerper-MRT).
  • Knochenmark: Aspiration und Stanzbiopsie (obligat bei Fusions-positiven, alveolaeren oder metastasierten Tumoren).

Biopsie-Empfehlungen: Eine bildgesteuerte Stanzbiopsie (Core Needle Biopsy, 14-16 Gauge) wird gegenueber einer Inzisionsbiopsie bevorzugt. Bei klinisch oder radiologisch suspekten Lymphknoten ist eine histologische Sicherung (z.B. Sentinel-Lymphknoten-Biopsie) dringend empfohlen.

Therapie-Algorithmus (Chemotherapie)

Die Chemotherapie zielt auf die Behandlung von Mikrometastasen und die neoadjuvante Tumorverkleinerung ab. Die Intensitaet richtet sich nach der Risikogruppe:

RisikogruppeSubgruppenChemotherapie-SchemaErhaltungstherapie
Low RiskA (Fusions-negativ, IRS I, N0, <5cm, <10 J.)8 Zyklen VA (Vincristin, Actinomycin D)Keine
Standard RiskB, C (Fusions-negativ, IRS I-III, N0)4-5 Zyklen IVA (Ifosfamid, Vincristin, Actinomycin D) + 4-5 Zyklen VAKeine
High RiskD, E, F (Fusions-neg., IRS II/III, unguenstige Lokalisation/N1 ODER Fusions-pos., IRS I-III, N0)9 Zyklen IVA + Strahlentherapie6 Monate (Vinorelbin + Cyclophosphamid)
Very High RiskG (Fusions-positiv UND N1)4 Zyklen IVADo (+ Doxorubicin) + 5 Zyklen IVA + Strahlentherapie12 Monate (Vinorelbin + Cyclophosphamid)
MetastasiertH (Stadium IV)4 Zyklen IVADo + 5 Zyklen IVA + Strahlentherapie12 Monate (Vinorelbin + Cyclophosphamid)

Lokaltherapie (Operation und Strahlentherapie)

Die lokale Kontrolle ist ein Hauptpfeiler der Behandlung. Ein konservativer Ansatz zur Vermeidung funktionseinschraenkender Eingriffe wird ausdruecklich empfohlen.

  • Primaere Resektion: Nur bei kleinen Tumoren indiziert, wenn eine R0-Resektion ohne Mutilation moeglich ist (Ausnahme: paratestikulaere Tumoren, hier primaere inguinale radikale Orchiektomie).
  • Verzoegerte Resektion (Delayed Excision): Erfolgt in der Regel nach Induktionschemotherapie (Woche 13 bei lokalisierten, Woche 19 bei metastasierten Tumoren).
  • Strahlentherapie: Wird prae- oder postoperativ eingesetzt. Bei R1-Resektionen oder inoperablen Tumoren (z.B. parameningeal) ist sie essenziell fuer die lokale Kontrolle.

💡Praxis-Tipp

Fuehren Sie bei Verdacht auf ein Rhabdomyosarkom primaer eine Stanzbiopsie (Core Needle Biopsy) durch. Eine primaere Resektion ist nur indiziert, wenn sie R0 und nicht-mutilierend (z.B. paratestikulaer) erfolgen kann.

Häufig gestellte Fragen

Der Fusionsstatus (PAX3/7::FOXO1-Fusion) hat die Histologie als wichtigsten prognostischen Faktor abgeloest.
Abhaengig von der Risikogruppe kommen die Protokolle VA (Vincristin, Actinomycin D), IVA (+ Ifosfamid) und IVADo (+ Doxorubicin) zum Einsatz.
Nur wenn eine R0-Resektion ohne funktionelle oder kosmetische Einschraenkungen moeglich ist (z.B. bei paratestikulaeren Tumoren).
Die Erhaltungstherapie mit Vinorelbin und Cyclophosphamid dauert 6 Monate bei High-Risk-Patienten und 12 Monate bei Very-High-Risk- oder metastasierten Patienten.

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