Rosazea: S2k-Leitlinie zur Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Einteilung der Rosazea erfolgt nun nach Phänotypen (Symptomen) statt nach den alten starren Subtypen.
- •Basistherapie für alle Patienten umfasst konsequenten UV-Schutz und die Vermeidung individueller Triggerfaktoren.
- •Zur topischen Therapie persistierender Erytheme werden Vasokonstriktoren wie Brimonidin empfohlen.
- •Bei papulopustulöser Rosazea sind topisches Ivermectin, Azelainsäure oder Metronidazol indiziert.
- •Systemische Therapie der 1. Wahl ist niedrigdosiertes Doxycyclin (40 mg), bei schweren Formen in Kombination mit topischen Präparaten.
Hintergrund
Die Rosazea ist eine häufige, chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend zentrofazial (Wangen, Nase, Stirn, Kinn) bei Erwachsenen auftritt. Die Einteilung erfolgt nach der aktuellen Leitlinie nicht mehr in starre Subtypen (I-III), sondern flexibel nach Phänotypen (Symptomen), um die klinische Realität besser abzubilden:
| Kategorie | Symptome |
|---|---|
| Diagnostisch | Phymatöse Veränderungen, persistierendes Erythem (verschlechtert durch Trigger) |
| Major-Symptome | Flushing (transientes Erythem), Papeln und Pusteln, Teleangiektasien |
| Minor-Symptome | Brennen, Stechen, Trockenheitsgefühl, Ödem/Schwellung |
Allgemeine Maßnahmen
Die Vermeidung individueller Provokationsfaktoren (↑↑) und ein konsequenter UV-Schutz (↑↑) bilden die Basis der Therapie.
Häufige Triggerfaktoren sind:
- UV-Strahlung und Hitze (heißes Wetter, heiße Bäder)
- Emotionaler Stress
- Scharfe Speisen und heiße Getränke
- Alkohol (führt zur Vasodilatation)
Topische Therapie
Die topische Therapie richtet sich nach dem vorherrschenden Phänotyp. Bei therapieresistenten oder schweren Formen wird die Kombination mit einer systemischen Therapie empfohlen (↑↑).
| Wirkstoff | Indikation | Bemerkung / Evidenz |
|---|---|---|
| Brimonidin (0,33% Gel) | Persistierende Erytheme | Vasokonstriktor, rein symptomatische Wirkung (↑↑) |
| Ivermectin (1% Creme) | Papulopustulöse Rosazea | Antiparasitär (Demodex-Milben) und antientzündlich (↑↑) |
| Azelainsäure (15% Gel) | Papulopustulöse Rosazea | Antibakteriell und antientzündlich (↑↑) |
| Metronidazol (0,75%) | Papulopustulöse Rosazea | Standardtherapie, antientzündlich (↑↑) |
Systemische und Kombinierte Therapie
Eine systemische Therapie ist bei schweren oder therapieresistenten Formen indiziert (↑↑).
| Wirkstoff | Dosis | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Doxycyclin | 40 mg/d | 1. Wahl bei papulopustulöser Form | Subantimikrobielle, antientzündliche Dosierung (↑↑) |
| Isotretinoin | 0,1-0,3 mg/kg | Schwere/therapieresistente Formen | Off-Label-Use, teratogen (↑) |
| Makrolide | Variabel | Alternative zu Doxycyclin | Z.B. bei Kontraindikationen gegen Tetrazykline |
Kombinationstherapie: Bei schweren Formen wird die Kombination von niedrig dosiertem Doxycyclin (40 mg) mit topischem Ivermectin (↑↑), Metronidazol (↑) oder Azelainsäure (↑) empfohlen.
Lasertherapie und chirurgische Interventionen
- Teleangiektasien und Erytheme: Lasertherapie oder intensiv gepulste Lichtquelle (IPL) als ergänzende Option.
- Phyme (z.B. Rhinophym): Ablative Lasertherapie (CO2, Er:YAG) (↑↑) oder operative Korrektur mittels Dermabrasion/Dermashaving (↑).
Okuläre Rosazea
Eine Augenbeteiligung tritt bei bis zu 50 % der Patienten auf, oft unabhängig von der Schwere der Hautsymptome. Typisch sind eine Meibom-Drüsen-Funktionsstörung und ein evaporatives trockenes Auge.
- Die Diagnose wird rein klinisch gestellt.
- Als allgemeine Basismaßnahme wird eine konsequente Lidrandhygiene empfohlen (↑↑).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei systemischer Indikation die antiinflammatorische Dosis von Doxycyclin (40 mg mit veränderter Wirkstofffreisetzung). Diese wirkt nicht antimikrobiell, verhindert Resistenzentwicklungen und ist deutlich besser verträglich als die klassische 100-mg-Dosierung.