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Geriatrisches Assessment Stufe 2: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Assessment der Stufe 2 dient als Basisassessment zur Identifikation und Graduierung therapierelevanter Beeinträchtigungen.
  • Seh- und Hörstörungen müssen vorab erfasst werden, da sie die Ergebnisse anderer Assessment-Instrumente verfälschen können.
  • Für die Basisaktivitäten (ADL) wird der Barthel-Index empfohlen, ergänzt durch die IADL-Skala für instrumentelle Aktivitäten.
  • Die Mobilität sollte standardisiert erfasst werden, z.B. durch den Timed Up and Go (TUG), Gehtests oder die Short Physical Performance Battery (SPPB).
  • Zur Diagnostik der Sarkopenie werden die Handkraftmessung und der 5-Chair Rise Test (5-CRT) herangezogen.
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Hintergrund

Das Geriatrische Assessment erfordert einen mehrdimensionalen Ansatz, um funktionelle Einschränkungen bei multimorbiden Patient*innen zu erfassen. Die Leitlinie unterteilt das Assessment in drei Stufen:

StufeBezeichnungZielsetzung
Stufe 1ScreeningIdentifikation geriatrischer Patient*innen (z.B. nach Lachs, ISAR).
Stufe 2aBasisassessmentAusschluss oder Nachweis einer therapierelevanten Störung.
Stufe 2bBasisassessmentDimensionsbezogene Beschreibung der Ausprägung der Beeinträchtigung.
Stufe 3ProblemorientiertVertiefende Abklärung spezieller Fragestellungen bei klarer Indikation.

Sehen und Hören

Sensorische Defizite müssen zwingend beachtet werden, da sie die Ergebnisse anderer Assessment-Instrumente verfälschen können. Unkorrigierte Visus- oder Hörstörungen erhöhen das Sturzrisiko und beeinträchtigen die Kognition. Vor jedem weiteren Assessment sollte eine orientierende Prüfung (z.B. Fingerzählen aus 2 m Entfernung, Flüstertest) oder die gezielte Anamnese nach Hilfsmitteln erfolgen.

Selbsthilfefähigkeit

Im Basisassessment der Selbsthilfefähigkeit ist stets ein Instrument der Stufe 2b erforderlich.

InstrumentFokusBemerkung / Cut-off
Barthel-Index (BI)Basisaktivitäten (ADL)Empfohlen wird das Hamburger Manual. Erfasst u.a. Körperpflege, Transfer, Kontinenz.
IADL-SkalaInstrumentelle AktivitätenErfasst 8 Items (z.B. Telefonieren, Finanzen, Medikamente). Wichtig für selbstständige Lebensführung.
Geldzähltest (Nikolaus)Komplexe AlltagsfunktionZählen von 9,80 Euro. Normalbefund <45 Sekunden. Testet Kognition, Visus und Feinmotorik.

Mobilität und Motorik

Die Erfassung der Mobilität ist zentral für die Sturzrisikoabschätzung und Rehabilitationsplanung. Die Auswahl des Tests richtet sich nach den Fähigkeiten der Patient*in.

InstrumentIndikationKernaussage / Cut-off
Parker Mobility ScoreAnamnese vor AkutereignisPrognostisch relevant für Entlassungsweg und Mortalität.
Timed Up and Go (TUG)Basis-Mobilität, SturzrisikoZeit für Aufstehen, 3m Gehen, Setzen. Cut-off für Sturzrisiko: ≥15 Sekunden.
Gehtests (4m / 10m)AlltagsmobilitätGehgeschwindigkeit ≤0,8 m/s ist Hinweis auf Frailty/Sarkopenie.
SPPBGleichgewicht, Kraft, GangHoch prädiktiv für Mortalität/Pflegebedürftigkeit. Von der EMA anerkannt.
DEMMIBreites LeistungsspektrumGeringer Boden-/Deckeneffekt. Score 0-100.
LSBMFehlende TUG-FähigkeitLübecker Skala der Basis-Mobilität für schwer beeinträchtigte Patient*innen.

Kraft und Sarkopenie-Diagnostik

Zur Diagnostik der Sarkopenie (gemäß EWGSOP) und zur Beurteilung der Beinkraft werden spezifische Tests empfohlen:

  • Handkraftmessung: Standardisierte Messung mit Dynamometer/Vigorimeter. Cut-offs für Schwäche: Männer <27 kg, Frauen <16 kg.
  • 5-Chair Rise Test (5-CRT): Zeit für 5-maliges Aufstehen mit verschränkten Armen. Cut-off für Muskelschwäche: ≥15 Sekunden.
  • 30-s Chair Stand Test: Zählt die Anzahl der Aufstehvorgänge in 30 Sekunden.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie vor der Durchführung kognitiver oder motorischer Assessments immer den Seh- und Hörstatus der Patient*in ab, um falsch-schlechte Ergebnisse zu vermeiden. Nutzen Sie bei Patient*innen, die den Timed Up and Go (TUG) nicht bewältigen, Instrumente wie die Lübecker Skala der Basis-Mobilität (LSBM) oder den DEMMI, um Bodeneffekte zu umgehen.

Häufig gestellte Fragen

Es gibt drei Stufen: Stufe 1 (Screening zur Identifikation), Stufe 2 (Basisassessment zum Nachweis und zur Graduierung von Störungen) und Stufe 3 (vertiefende, problemorientierte Abklärung).
Die Leitlinie empfiehlt primär den Barthel-Index, idealerweise unter Anwendung des Hamburger Manuals zur besseren Standardisierung.
Gemäß den World Guidelines for Falls Prevention deutet ein Wert von 15 Sekunden oder mehr auf ein erhöhtes Sturzrisiko hin.
Empfohlen werden die Handkraftmessung (Cut-off <27 kg bei Männern, <16 kg bei Frauen) sowie der 5-Chair Rise Test (Auffälligkeit bei ≥15 Sekunden).
Für schwerer beeinträchtigte Patient*innen eignen sich Instrumente wie die Lübecker Skala der Basis-Mobilität (LSBM) oder der De Morton Mobility Index (DEMMI).

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