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Kaltes physikalisches Plasma: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kaltes physikalisches Plasma wird zur kurativen Behandlung chronischer und infizierter Wunden als Ergänzung zur Standardtherapie empfohlen.
  • Es eignet sich zur palliativen Keim- und Geruchsreduktion bei ulzerierten, anaerob kontaminierten Tumormetastasen.
  • Die Wirkung beruht auf reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies, UV-Strahlung und elektrischen Feldern.
  • Die Anwendung ist weitgehend schmerzfrei, erfordert keine Anästhesie und ist an qualifizierte Fachpflegekräfte delegierbar.
  • Es gibt keine Hinweise auf mutagene Effekte oder eine Krebsentstehung durch die Kaltplasma-Anwendung.
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Hintergrund

Kaltes physikalisches Plasma (Kaltplasma) ist ein ionisiertes Gas im Temperaturbereich der Körpertemperatur (unter 40 °C). Es stellt eine Sprunginnovation in der Behandlung chronischer und infizierter Wunden dar. Im Gegensatz zu thermischen Hochfrequenzverfahren (wie der Argon-Plasmakoagulation), die Gewebe koagulieren oder schneiden, hat Kaltplasma keine klinisch erkennbare thermische Wirksamkeit.

Wirkprinzip und Komponenten

Die medizinische Wirkung von Kaltplasma beruht auf einem "Plasmacocktail" verschiedener physikalischer und chemischer Komponenten, die synergistisch wirken:

KomponenteBiologische WirkungBemerkung
Reaktive Spezies (ROS, RNS)Inaktivierung von Mikroorganismen (inkl. multiresistenter Erreger), ZellstimulationLokale und zeitlich begrenzte Bildung; kein chronischer oxidativer Stress
UV-StrahlungKeimabtötende WirkungGrenzwerte für UV-Belastung werden deutlich unterschritten
Elektrische FelderRegulation körpereigener HeilungsvorgängeReaktivierung physiologischer Reparaturvorgänge

Klinische Empfehlungen

Die Leitlinie spricht folgende starke Empfehlungen (Expertenkonsens) für den rationalen Einsatz als Ergänzung zur Standardtherapie aus:

  • Kurative Wundbehandlung: Es kann die kurative Behandlung von chronischen und infizierten Wunden durch Applikation von physikalischem Kaltplasma und entsprechende Wundtoilette empfohlen werden. Relevante Co-Morbiditäten sind fachärztlich zu therapieren.
  • Palliative Tumorbehandlung: Es kann vorgeschlagen werden, die palliative Behandlung von ulzerierten, offenen, anaerob kontaminierten Tumormetastasen mit physikalischem Kaltplasma als Maßnahme zur Keimreduktion (Bekämpfung von Geruch und Schmerz) durchzuführen.
  • Delegation: Wo es die Umstände erlauben, kann die Applikation nach Qualifikation durch Fachpflegekräfte in delegierter Tätigkeit empfohlen werden.

Durchführung der Therapie

Die Applikation erfolgt meist berührungslos und ist weitgehend schmerzfrei. Eine Lokalanästhesie oder Kühlung ist nicht erforderlich.

TherapieschrittMaßnahmeBemerkung
VorbereitungWundsekret und Biofilm entfernenKeine Trocknung der Wunde, da Plasma feuchtigkeitsvermittelt wirkungsvoller ist
ApplikationNach Herstellerangaben (z.B. 30-45 Sek./cm²)Jet-Plasma für tiefe Krater/Höhlen; DBD/SMD-Plasma für flächige Areale
Therapieplan (Wundheilung)2-3 Applikationen pro WochePrinzip der Hormesis: Kürzere Applikationen stimulieren, längere inhibieren
Therapieplan (Antisepsis)Tägliche Applikation für 1 WocheZur reinen Dekontamination
NachbehandlungStandard-WundtoiletteKeine speziellen Kaltplasma-Verbände nötig; Fotodokumentation empfohlen

Unerwünschte Wirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Gravierende unerwünschte Wirkungen (wie Krebsentstehung oder genotoxische Effekte) sind nicht bekannt. Dennoch sind einige Besonderheiten zu beachten:

  • Intraorale Anwendung: Kann leichten Schmerz an empfindlichen Zahnhälsen auslösen. Ein Ozongeruch kann auftreten (Absaugung empfohlen).
  • Periokuläre Region: Das Sehorgan ist durch Abdeckung zwingend zu schützen.
  • Elektronische Implantate (z.B. Herzschrittmacher): Da elektrische Felder übertragen werden können (Patientenableitstrom), sollte die Anwendung nur unter Risikoabwägung und Beachtung der Herstellerangaben erfolgen.
  • Atemwege: Bei Anwendung in unmittelbarer Nähe zu den Atemwegen wird eine aktive Absaugung von Ozon empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Trocknen Sie die Wunde vor der Kaltplasma-Applikation nicht ab! Plasma entfaltet seine Wirkung feuchtigkeitsvermittelt deutlich besser. Nutzen Sie bei Behandlungen im Kopf-Hals-Bereich eine zahnärztliche Absaugung, um den für Patienten oft unangenehmen Ozongeruch zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Anwendung ist weitgehend schmerzfrei, da die Temperatur des Plasmas 40 °C nicht übersteigt. Eine Lokalanästhesie ist nicht erforderlich.
Nein. In experimentellen Ansätzen, tierexperimentellen Langzeitstudien und klinischen Nachbeobachtungen (bis zu 7 Jahre) zeigten sich keinerlei mutagene oder genotoxische Effekte.
Da Kaltplasma elektrische Felder auf die Haut übertragen kann, sollte die Anwendung bei Trägern elektronischer Implantate mit Vorsicht, unter Risikoabwägung und nach Prüfung der jeweiligen Herstellerangaben des Plasmageräts erfolgen.
Zur Stimulation der Wundheilung werden eher wenige Applikationen (2-3 pro Woche) empfohlen. Geht es primär um Antisepsis und Dekontamination, kann täglich für eine Woche behandelt werden.
Die Behandlung kann nach ärztlicher Anordnung und Supervision an speziell geschulte Fachpflegekräfte delegiert werden.

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