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Radon in Innenräumen: Leitlinie (DGAUM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Allgemeinbevölkerung.
  • Es gibt keinen Schwellenwert: Auch niedrige Radonkonzentrationen erhöhen das Lungenkrebsrisiko linear.
  • Der gesetzliche Referenzwert in Deutschland liegt bei 300 Bq/m³ für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze.
  • Messungen sollten über mindestens 3 bis 12 Monate mit passiven Kernspurdetektoren erfolgen.
  • An Arbeitsplätzen in Radon-Vorsorgegebieten (Erd- oder Kellergeschoss) besteht eine gesetzliche Messpflicht.
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Hintergrund

Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas (Ordnungszahl 86), das geruchlos, geschmacklos und farblos ist. Es entsteht in den radioaktiven Zerfallsreihen von Uran-238 und Thorium-232 aus seinem Mutternuklid Radium.

Über Undichtigkeiten in der Bodenplatte oder erdberührenden Wänden dringt Radon aus dem Baugrund in Gebäude ein und reichert sich dort an. Die Konzentration hängt stark von der Beschaffenheit des Untergrundes (z.B. Granitgestein), der Bausubstanz und den Witterungsbedingungen ab.

EigenschaftBeschreibung
AggregatzustandGasförmig (Edelgas)
WahrnehmbarkeitGeruchlos, farblos, geschmacklos
StrahlenartAlpha-Strahlung (durch kurzlebige Zerfallsprodukte)
HauptquelleUran- und Thoriumhaltiges Gestein/Erdreich

Gesundheitsrisiken und Biologische Effekte

Radon und seine Zerfallsprodukte (v.a. Polonium-218 und Polonium-214) gelangen durch Inhalation in den Körper. Während das gasförmige Radon größtenteils wieder ausgeatmet wird, lagern sich die kurzlebigen Zerfallsprodukte im Respirationstrakt ab.

  • Lungenkrebs: Die emittierte Alpha-Strahlung verursacht lokal schwere DNA-Schäden im Bronchialepithel. Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs (bei Nie-Rauchern die häufigste).
  • Dosis-Wirkung: Es besteht eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung ohne Schwellenwert. Auch niedrige Dosen erhöhen das Risiko.
  • Andere Erkrankungen: Für extrapulmonale Malignome (z.B. Leukämien) oder andere Erkrankungen gibt es im umweltmedizinischen Bereich keine gesicherten wissenschaftlichen Belege.
  • Schwangerschaft: Die Dosis für den Fetus ist extrem gering (3 bis 4 Zehnerpotenzen niedriger als die Lungendosis). Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine gesundheitlichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind zu erwarten.

Diagnostik und Messung

Die Radon-Aktivitätskonzentration wird in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) gemessen und unterliegt starken tages- und jahreszeitlichen Schwankungen (z.B. höhere Werte im Winter).

ParameterEmpfehlung / Vorgabe
MessdauerMindestens 3 Monate, idealerweise 1 Jahr (Jahresmittelwert)
MessgerätePassive Kernspurdetektoren in Diffusionskammern (Exposimeter)
QualitätssicherungNachweisgrenze ≤ 20 Bq/m³; Nutzung anerkannter Messstellen (BfS-Liste)

Referenzwerte und Gesetzliche Vorgaben

Das deutsche Strahlenschutzrecht (StrlSchG, StrlSchV) definiert Radon in Innenräumen als "bestehende Expositionssituation" und legt klare Referenzwerte fest.

Institution / GesetzReferenzwertBemerkung
WHO100 Bq/m³Empfehlung zur Risikominimierung (max. 300 Bq/m³)
Deutsches Recht300 Bq/m³Gilt für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze

Vorgaben für Arbeitsplätze: In behördlich festgelegten Radon-Vorsorgegebieten besteht eine Messpflicht für Arbeitsplätze im Erd- oder Kellergeschoss.

  • Wird der Referenzwert (>300 Bq/m³) überschritten, müssen unverzüglich Maßnahmen zur Reduzierung ergriffen werden.
  • Bleibt der Wert nach Sanierung erhöht, muss der Arbeitsplatz behördlich angemeldet und die Strahlenexposition abgeschätzt werden.

Für Privatwohnungen gibt es (außer bei Neubauten) bisher keine verpflichtenden Sanierungsregelungen, aus umweltmedizinischer Sicht wird die Einhaltung der Referenzwerte jedoch dringend empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Empfehlen Sie Patienten, insbesondere in Radon-Vorsorgegebieten, eine Langzeitmessung (12 Monate) mit passiven Kernspurdetektoren. Kurzzeitmessungen sind aufgrund starker saisonaler Schwankungen nicht aussagekräftig.

Häufig gestellte Fragen

Es gibt keinen sicheren Schwellenwert, da das Lungenkrebsrisiko linear ansteigt. Der gesetzliche Referenzwert in Deutschland liegt bei 300 Bq/m³, die WHO empfiehlt jedoch bereits ab 100 Bq/m³ Maßnahmen zur Risikominimierung.
Die Messung sollte mit passiven Kernspurdetektoren über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten, idealerweise einem ganzen Jahr, erfolgen, um jahreszeitliche Schwankungen auszugleichen.
Nach aktuellem Kenntnisstand und dosimetrischen Modellen sind bei den in Deutschland üblichen Innenraumkonzentrationen keine gesundheitlichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind zu erwarten.
Verantwortliche für Arbeitsplätze im Erd- oder Kellergeschoss, die sich in behördlich ausgewiesenen Radon-Vorsorgegebieten befinden, sowie Betreiber spezieller Anlagen (z.B. Wasserwerke, Bergwerke).

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