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Schwefelkohlenstoff-Exposition: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schwefelkohlenstoff (CS2) wird vorrangig inhalativ und dermal aufgenommen, Hauptrisikobranchen sind die Viskose- und Gummiindustrie.
  • Die chronische Toxizität betrifft primär das Nervensystem (Polyneuropathie) und das Herz-Kreislauf-System (Arteriosklerose).
  • Das Biomonitoring erfolgt über die Bestimmung des Metaboliten TTCA im Urin am Schichtende.
  • Eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge ist bei Überschreitung des Arbeitsplatzgrenzwertes oder möglichem Hautkontakt zwingend.
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Hintergrund

Schwefelkohlenstoff (CS2, Kohlendisulfid) ist eine leichtflüssige, extrem feuergefährliche und lipophile Substanz. Bei beruflicher Exposition steht die inhalative Aufnahme im Vordergrund, gefolgt von der dermalen Resorption.

Hauptanwendungsgebiete mit Expositionsrisiko sind:

  • Viskoseherstellung und -verarbeitung (Hauptabnehmer)
  • Gummiindustrie (Vulkanisieren, Herstellung von Thiram)
  • Produktion von Chemikalien und Pestiziden
  • Extraktionsverfahren

Toxizität und klinische Symptomatik

Schwefelkohlenstoff wirkt primär neurotoxisch und kardiovaskulär toxisch. Die metabolische Aktivierung erfolgt in der Leber, wobei reaktive Schwefelspezies entstehen, die Enzymfunktionen stören.

ExpositionsdauerBetroffene SystemeTypische Symptome und Folgen
Akut (>1000 mg/m³)ZNS, Haut/AugenReizung, Kopfschmerzen, Schwindel, Erregungszustände, Narkose bis Atemstillstand
SubakutZNS, ReproduktionSchlafstörungen, Kopfschmerzen, Libido-/Potenzstörungen
ChronischZNS & PNSPolyneuropathie (sensibel beginnend), Vigilanzstörungen, organisches Psychosyndrom
ChronischHerz-KreislaufArteriosklerose, Mikroaneurysmen der Retina, erhöhtes Herzinfarktrisiko
ChronischWeitere OrganeNierenfunktionsstörungen, Leberzellschädigung, Menstruationsstörungen

Grenzwerte und Biomonitoring

Für die Beurteilung der Gefährdung gelten spezifische Luft- und Biomonitoring-Grenzwerte. Das Biomonitoring erfolgt über den Metaboliten TTCA (2-Thio-1,3-thiazolidin-4-carboxylsäure) im Urin.

ParameterWertBemerkung
AGW (Arbeitsplatz-Grenzwert)10 ml/m³ (30 mg/m³)Hautresorptiv (H)
MAK (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration)5 ml/m³ (16 mg/m³)Hautresorptiv (H), Schwangerschaftsgruppe B
BGW (Biologischer Grenzwert)4 mg TTCA/g KreatininHöchstwert wegen akut toxischer Effekte
BAT (Biologischer Arbeitsstoff-Toleranzwert)2 mg TTCA/g KreatininMittelwertkonzept anwendbar

Präventionsmaßnahmen

Die Primärprävention folgt dem STOP-Prinzip:

  • Substitution: Ersatz durch weniger toxische Lösemittel.
  • Technisch: Kapselung, Absaugung.
  • Organisatorisch: Reduktion der Einsatzzeiten in hochbelasteten Bereichen.
  • Personell: Geeignete Schutzausrüstung (Atemschutz, Hautschutz).

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Eine Pflichtvorsorge ist zwingend erforderlich, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert überschritten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.

Diagnostik

  • Basisuntersuchung: Inspektion der Haut, Blutdruckmessung, Urinstatus (Glukose).
  • Tätigkeitsbezogen: Orientierende Sensibilitäts- und Reflexprüfung (v.a. untere Extremität), Palpation der Fußpulse.
  • Bei Verdacht: Ergometrie, Prüfung des Vibrationsempfindens (128-Hz-Stimmgabel), Leberwerte, Lipidstatus.

Biomonitoring-Praxis

Die Urinprobe zur TTCA-Bestimmung muss als Spontanurinprobe am Schichtende bzw. Expositionsende an einem repräsentativen Arbeitstag gewonnen werden. Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff sind als Berufskrankheit nach Nr. 1305 meldepflichtig.

💡Praxis-Tipp

Gewinnen Sie Urinproben für das Biomonitoring (TTCA) immer am Schichtende eines repräsentativen Arbeitstages. Fragen Sie bei erhöhten Werten gezielt nach dem Verzehr von Kreuzblütengewächsen (wie Kohl oder Brokkoli), da diese falsch-hohe TTCA-Werte verursachen können.

Häufig gestellte Fragen

Wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) überschritten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.
Der Metabolit TTCA (2-Thio-1,3-thiazolidin-4-carboxylsäure) im Spontanurin am Schichtende.
Das zentrale und periphere Nervensystem (Polyneuropathie) sowie das Herz-Kreislauf-System (Arteriosklerose, Mikroaneurysmen).
Der AGW liegt bei 10 ml/m³ (30 mg/m³), wobei die Substanz als hautresorptiv (H) gekennzeichnet ist.

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