Atazanavir: Indikation, Dosierung und Nebenwirkungen
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt den Einsatz von Atazanavir zur Behandlung von HIV-1-Infektionen. Es handelt sich um einen Protease-Inhibitor, der in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten eingesetzt wird.
Das Ziel der lebenslangen Therapie ist die Unterdrückung der Virusreplikation und der Erhalt der CD4-Zellzahl. Dadurch soll das Fortschreiten zu AIDS sowie die Virusübertragung verhindert werden.
Atazanavir hemmt die HIV-Protease, was zu einer unvollständigen Virusverpackung führt. Ein bekannter Off-Target-Effekt ist die Hemmung des Enzyms UGT1A1, was zu einem Anstieg des Bilirubins führen kann.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Einsatz von Atazanavir:
Indikation und Einsatz
Laut Leitlinie ist Atazanavir für therapienaive und therapieerfahrene Patienten mit HIV-1 zugelassen.
Es wird eine Kombinationstherapie empfohlen, um die Viruslast effektiv zu senken und Resistenzen zu vermeiden.
Off-Label wird der Wirkstoff gelegentlich zur Postexpositionsprophylaxe eingesetzt, beispielsweise nach Nadelstichverletzungen.
Spezielle Patientengruppen
Für Kinder unter 3 Monaten wird Atazanavir nicht empfohlen, da das Risiko für einen Kernikterus besteht.
In der Schwangerschaft wird laut Leitlinie die Kombination mit Ritonavir empfohlen.
Die Kombination mit Cobicistat sollte in der Schwangerschaft vermieden werden, da ein virologisches Versagen droht.
Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt vor und während der Therapie regelmäßige Kontrollen:
-
Bestimmung des Kreatininwerts zu Beginn und im Verlauf
-
Leberfunktionstests bei Therapiebeginn, nach 2 bis 8 Wochen sowie alle 3 bis 6 Monate
-
Lipidprofil und Urinanalyse alle 6 bis 12 Monate
-
Nüchternglukose bei Baseline, nach 3 bis 6 Monaten und danach jährlich
-
EKG-Kontrollen bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen oder Symptomen
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungsschemata für Atazanavir:
Erwachsene
| Patientenstatus | Atazanavir-Dosis | Booster-Dosis |
|---|---|---|
| Therapienaiv (geboostert) | 300 mg täglich | 100 mg Ritonavir ODER 150 mg Cobicistat |
| Therapienaiv (ungeboostert) | 400 mg täglich | Keine |
| Therapieerfahren | 300 mg täglich | 100 mg Ritonavir ODER 150 mg Cobicistat |
Kinder und Jugendliche (Kapselform)
| Alter und Gewicht | Atazanavir-Dosis | Booster-Dosis |
|---|---|---|
| 6-17 Jahre, 15-34,9 kg | 200 mg täglich | 100 mg Ritonavir |
| 6-17 Jahre, >35 kg | 300 mg täglich | 100 mg Ritonavir ODER 150 mg Cobicistat |
Kinder (Orales Pulver)
| Gewicht | Atazanavir-Dosis | Booster-Dosis |
|---|---|---|
| 5-14,9 kg | 200 mg täglich | 80 mg Ritonavir |
| 15-24,9 kg | 250 mg täglich | 80 mg Ritonavir |
| >25 kg | 300 mg täglich | 100 mg Ritonavir |
Nieren- und Leberinsuffizienz
| Einschränkung | Anpassung |
|---|---|
| Leberinsuffizienz (Child-Pugh B) | 300 mg täglich (ohne Ritonavir) |
| Hämodialyse (therapienaiv) | 300 mg + 100 mg Ritonavir täglich |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für den Einsatz von Atazanavir:
-
Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme)
-
Schwangerschaft in Kombination mit Cobicistat
-
Säuglinge unter 3 Monaten
-
Hämodialyse bei therapieerfahrenen Patienten
Zudem wird vor der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten gewarnt, die über CYP3A4, CYP1A2 oder CYP2C9 metabolisiert werden. Relevante Interaktionen bestehen laut Leitlinie unter anderem mit Warfarin, Irinotecan, Diltiazem, Simvastatin und Johanniskraut.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor der Entwicklung eines Immunrekonstitutionssyndroms (IRIS) nach Beginn der antiretroviralen Therapie. Es wird empfohlen, auf akute generalisierte oder lokale Entzündungsreaktionen zu achten, da diese auf eine Demaskierung opportunistischer Infektionen hindeuten können. Zudem wird betont, dass Atazanavir das Enzym UGT1A1 hemmt, was häufig zu einer gutartigen Hyperbilirubinämie und einem Ikterus führt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie beträgt die Standarddosis für Erwachsene 300 mg Atazanavir täglich in Kombination mit 100 mg Ritonavir oder 150 mg Cobicistat. Bei therapienaiven Patienten ist auch eine ungeboosterte Gabe von 400 mg täglich möglich.
Die Leitlinie erlaubt den Einsatz in der Schwangerschaft, empfiehlt jedoch ausdrücklich die Kombination mit Ritonavir. Die gleichzeitige Gabe von Cobicistat ist kontraindiziert, da ein virologisches Versagen droht.
Es wird empfohlen, regelmäßig Kreatinin, Leberwerte, das Lipidprofil sowie die Nüchternglukose zu überwachen. Zudem ist eine Urinanalyse alle 6 bis 12 Monate vorgesehen.
Atazanavir kann laut Leitlinie zu einer Verlängerung des PR-Intervalls und einem AV-Block ersten Grades führen. Bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen wird daher ein EKG empfohlen.
Der Wirkstoff hemmt das Enzym UGT1A1, welches für die Glukuronidierung von Bilirubin verantwortlich ist. Dies führt laut Leitlinie häufig zu einer Hyperbilirubinämie und einem sichtbaren Ikterus.
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Quelle: StatPearls: Atazanavir (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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