StatPearls2026

Anteriorer Myokardinfarkt: EKG-Kriterien und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der anteriore Myokardinfarkt (AWMI) entsteht durch eine verminderte Blutversorgung der Vorderwand des Herzens infolge eines Verschlusses des Ramus interventricularis anterior (LAD). Diese Form des Infarkts ist im Vergleich zu anderen Lokalisationen mit einer höheren Mortalität und Morbidität verbunden.

Die häufigste Ursache ist die Ruptur einer atherosklerotischen Plaque, gefolgt von Plaque-Erosionen und koronaren Spasmen. Dies führt zu einer Thrombusbildung und einer anschließenden Ischämie des Myokards.

Die hämodynamischen Folgen umfassen eine systolische und diastolische Dysfunktion, die in einer Herzinsuffizienz oder einem kardiogenen Schock münden können. Ein deutlicher Abfall der Ejektionsfraktion ist zu beobachten, wenn mehr als 15 Prozent des Myokards geschädigt sind.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des anterioren Myokardinfarkts.

Diagnostik

Laut Leitlinie ist das Elektrokardiogramm (EKG) essenziell zur Lokalisierung des Infarkts. Es wird empfohlen, ein EKG innerhalb von 10 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt abzuleiten.

Die Leitlinie beschreibt folgende EKG-Veränderungen je nach betroffener Region:

  • Septaler Infarkt: ST-Hebungen in den Ableitungen V1-V2

  • Anteriorer Infarkt: ST-Hebungen in den Ableitungen V2-V5

  • Anteroseptaler Infarkt: ST-Hebungen in den Ableitungen V1-V4

  • Anterolateraler Infarkt: ST-Hebungen in den Ableitungen V3-V6, I und aVL

  • Ausgedehnter anteriorer/anterolateraler Infarkt: ST-Hebungen in V1-V6, I und aVL

Als bevorzugter kardialer Biomarker wird Troponin-I empfohlen. Die Leitlinie betont jedoch, dass das Warten auf Laborergebnisse die Reperfusionstherapie bei eindeutigen EKG-Veränderungen nicht verzögern darf.

Akuttherapie und Reperfusion

Die primäre perkutane Koronarintervention (PCI) ist die bevorzugte Reperfusionsstrategie. Die Leitlinie definiert folgende zeitliche Zielwerte:

  • PCI innerhalb von 90 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt

  • Door-in-Door-out-Zeit von unter 30 Minuten bei Verlegung aus einem Krankenhaus ohne PCI-Möglichkeit

  • Fibrinolysetherapie innerhalb von 30 Minuten, falls eine PCI nicht innerhalb von 120 Minuten durchführbar ist

Zur akuten Symptomkontrolle wird eine Sauerstoffgabe bei einer Sättigung von unter 90 Prozent empfohlen. Zudem wird die sublinguale Gabe von Nitroglycerin zur Verbesserung des koronaren Blutflusses beschrieben.

Medikamentöse Begleittherapie

Vor einer PCI wird die Gabe von Aspirin (162 bis 325 mg) empfohlen. Zusätzlich ist laut Leitlinie eine duale Plättchenhemmung mit einem P2Y12-Inhibitor (Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor) indiziert.

Für die langfristige Sekundärprävention empfiehlt die Leitlinie:

  • Eine hochintensive Statintherapie (z.B. Atorvastatin 80 mg)

  • Betablocker zur Reduktion des myokardialen Sauerstoffbedarfs

  • ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker bei linksventrikulärer Dysfunktion

  • Spironolacton bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion

Risikostratifizierung

Zur Beurteilung der 30-Tage-Prognose und der Schwere der Herzinsuffizienz wird die Killip-Klassifikation herangezogen:

StadiumKlinische ZeichenIn-Hospital-Mortalität
Killip-Klasse IKeine Zeichen einer Herzinsuffizienz6 %
Killip-Klasse IILeichte Zeichen (basale Rasselgeräusche, S3-Galopp, erhöhter Jugularvenendruck)17 %
Killip-Klasse IIIAkutes Lungenödem38 %
Killip-Klasse IVKardiogener Schock (Hypotonie, Hypoperfusion)81 %

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für die Akut- und Begleittherapie:

MedikamentDosierungIndikation / Bemerkung
Nitroglycerin (sublingual)0,4 mg alle 5 Minuten (max. 3 Dosen)Bei anhaltenden Brustschmerzen
Aspirin162-325 mg (Initialdosis)Vor PCI, danach lebenslange Erhaltungstherapie
Clopidogrel600 mg (Loading Dose), 75 mg (Erhaltung)Vor/während PCI
Prasugrel60 mg (Loading Dose), 10 mg (Erhaltung)Vor/während PCI
Ticagrelor180 mg (Loading Dose), 90 mg (2x täglich Erhaltung)Vor/während PCI
Atorvastatin80 mgHochintensive Statintherapie

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Nitrate: Dürfen nicht verabreicht werden bei einem systolischen Blutdruck unter 90 mmHg, schwerer Bradykardie, Verdacht auf einen rechtsventrikulären Infarkt oder der Einnahme eines Phosphodiesterase-Inhibitors innerhalb der letzten 24 Stunden.

  • Fondaparinux: Darf bei einem ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) nicht als alleiniges Antikoagulans verwendet werden.

  • Fibrinolysetherapie: Bei absoluten Kontraindikationen gegen eine Fibrinolyse wird eine sofortige PCI empfohlen, unabhängig von der zeitlichen Verzögerung.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie darf das Warten auf die Ergebnisse der kardialen Biomarker (Troponin) die Reperfusionstherapie bei Personen mit klinischen Ischämiezeichen und anterioren ST-Hebungen im EKG keinesfalls verzögern. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass eine frühzeitige Reperfusion entscheidend für die Prognose ist. Zudem wird von der routinemäßigen Durchführung einer Thrombektomie vor der PCI abgeraten.

Häufig gestellte Fragen

Ein anteriorer Myokardinfarkt zeigt sich typischerweise durch ST-Hebungen in den präkordialen Ableitungen V2 bis V5. Bei Einbeziehung des Septums oder der Seitenwand können laut Leitlinie auch die Ableitungen V1 sowie V6, I und aVL betroffen sein.

Die Leitlinie empfiehlt, eine perkutane Koronarintervention (PCI) innerhalb von 90 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt durchzuführen. Wenn dies nicht möglich ist, sollte innerhalb von 30 Minuten eine Fibrinolysetherapie eingeleitet werden.

Eine Sauerstoffgabe wird laut Leitlinie nur empfohlen, wenn die arterielle Sauerstoffsättigung (SpO2) unter 90 Prozent fällt. Bei Personen ohne chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) kann mit 2 bis 4 Litern pro Minute über eine Nasensonde begonnen werden.

Es wird die Gabe von Clopidogrel (600 mg), Prasugrel (60 mg) oder Ticagrelor (180 mg) als Aufsättigungsdosis empfohlen. Die Auswahl richtet sich nach den individuellen Merkmalen und dem klinischen Szenario.

Die Killip-Klassifikation dient der klinischen Einteilung der Herzinsuffizienz bei einem Myokardinfarkt und hilft bei der Prognoseabschätzung. Sie reicht von Klasse I (keine Herzinsuffizienz) bis Klasse IV (kardiogener Schock mit einer Mortalität von über 80 Prozent).

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Quelle: StatPearls: Anterior Myocardial Infarction (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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