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American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS)2020Orthopedics

Distale Radiusfraktur: AAOS-Leitlinie 2020 Zusammenfassung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Alter von 65 Jahren dient als Richtwert für den funktionellen Anspruch bei der OP-Indikation.
  • Bei der Wahl der Fixationstechnik gibt es nach 3 Monaten keine signifikanten Outcome-Unterschiede; sie sollte sich nach dem Frakturmuster richten.
  • Arthroskopische Assistenz und begleitende Physiotherapie sollten nur im Einzelfall (case-by-case) angewendet werden.
  • Shared Decision-Making ist essenziell, um die Therapie an die individuellen Patientenbedürfnisse anzupassen.
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Hintergrund

Die distale Radiusfraktur ist eine der häufigsten Frakturen, deren Inzidenz in allen Altersgruppen weiter ansteigt. Die Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) und der American Society for Surgery of the Hand (ASSH) aus dem Jahr 2020 bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die Evaluation und Behandlung akuter distaler Radiusfrakturen bei Erwachsenen.

OP-Indikation und Patientenauswahl

Die Leitlinie nutzt das Alter von 65 Jahren als Richtwert (Proxy) für den funktionellen Anspruch eines Patienten. Starke Evidenz zeigt, dass operative Eingriffe bei geriatrischen Patienten (>65 Jahre) im Vergleich zur konservativen Therapie nicht zu besseren langfristigen patientenberichteten Outcomes führen. Dennoch muss das funktionelle Alter beachtet werden: Ein aktiver Patient über 65 kann von einer Operation profitieren.

Folgende radiologische Kriterien nach Reposition sprechen bei Patienten <65 Jahren für einen operativen Nutzen:

KriteriumSchwellenwert
Radiale Verkürzung> 3 mm
Dorsale Kippung> 10°
Intraartikuläre Stufenbildung/Dislokation> 2 mm

Fixationstechniken

Starke Evidenz belegt, dass es nach drei Monaten keine Unterschiede in den klinischen oder radiologischen Outcomes zwischen den verschiedenen Fixationstechniken gibt. Die Wahl der Technik sollte daher primär durch das Frakturmuster und die Patientencharakteristika bestimmt werden.

TechnikIndikation / Frakturmuster
Volare winkelstabile PlatteStandard für frühe funktionelle Erholung; gute Visualisierung möglich
BrückenplatteErhebliche metaphysäre Trümmerzone, radiokarpale Luxationsfraktur
Fragmentspezifische FixationSehr distale Fragmente, die volar nicht gefasst werden können
Dorsaler ZugangDorsale Fragmente, die für Stabilität/Gelenkrekonstruktion essenziell sind
Fixateur externeSchwere Weichteilschäden, die eine interne Fixation verhindern

Begleitmaßnahmen und Nachsorge

  • Arthroskopie: Der routinemäßige Einsatz zur Reposition oder zur Behandlung von Begleitverletzungen (z.B. skapholunäres Band) wird nicht durch starke Evidenz gestützt und sollte nur im Einzelfall erfolgen.
  • Physiotherapie: Eine angeleitete Physiotherapie ist nicht zwingend überlegen. Ein Heimübungsprogramm ist oft ausreichend. Die Entscheidung sollte individuell (z.B. abhängig von Schwellung und Motivation) getroffen werden.
  • Radiologische Kontrollen: Es gibt moderate Evidenz, dass der Verzicht auf routinemäßige Röntgenbilder nach der 1- und 2-Wochen-Kontrolle die patientenberichteten Outcomes nicht verschlechtert. Ein mögliches Schema ist die Kontrolle nach 2 Wochen, 3 Monaten und 1 Jahr.
  • Schmerztherapie: Ein multimodaler, opioidsparender Ansatz (z.B. Regionalanästhesie kombiniert mit Paracetamol und Naproxen) wird empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie das Alter von 65 Jahren nur als groben Richtwert für die OP-Indikation. Beziehen Sie den tatsächlichen funktionellen Anspruch des Patienten über ein Shared Decision-Making aktiv in die Therapieentscheidung ein.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie nutzt das Alter von 65 Jahren als Richtwert. Bei Patienten über 65 Jahren zeigt die Evidenz oft keine besseren Langzeitergebnisse durch eine Operation, es sei denn, der funktionelle Anspruch ist hoch.
Eine radiale Verkürzung von >3 mm, eine dorsale Kippung von >10° oder eine intraartikuläre Stufenbildung von >2 mm nach Reposition.
Nein, die Leitlinie empfiehlt den Einsatz der Arthroskopie nur im Einzelfall, da es keine starke Evidenz für verbesserte klinische Outcomes gibt.
Nein. Ein Heimübungsprogramm zeigt oft gleichwertige Ergebnisse. Angeleitete Physiotherapie sollte individuell nach Bedarf (z.B. bei starker Schwellung oder Bewegungseinschränkung) verordnet werden.

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