Zentralarterienverschluss (CRAO): Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie (2024) beschreibt den Zentralarterienverschluss (CRAO) als ophthalmologischen Notfall, der zu einem plötzlichen und schweren Sehverlust führt. Die Erkrankung wird als Äquivalent zu einem zerebralen ischämischen Schlaganfall betrachtet.
In über 90 Prozent der Fälle liegt ein nicht-arteriitischer CRAO vor, der meist durch Embolien aus der Karotis oder dem Herzen verursacht wird. Eine seltene, aber hochgradig gefährliche Ursache ist der arteriitische CRAO, welcher im Rahmen einer Riesenzellarteriitis auftritt.
Die Prognose für die visuelle Erholung ist laut Leitlinie im Allgemeinen schlecht. Zudem ist das Auftreten eines CRAO mit einem signifikant erhöhten Risiko für nachfolgende zerebrale Schlaganfälle und ischämische Herzerkrankungen assoziiert.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zu Diagnostik und Management:
Klassifikation
Die Leitlinie unterteilt den Zentralarterienverschluss nach Hayreh und Zimmerman in vier Gruppen:
| Klassifikation | Häufigkeit | Pathophysiologie |
|---|---|---|
| Nicht-arteriitischer CRAO | 66 % | Permanente Okklusion durch Embolus am Eintritt in die Optikusscheide |
| Nicht-arteriitischer CRAO mit Aussparung | 13 % | Erhalt der zentralen Sehschärfe durch offene Zilioretinalarterie |
| Transienter nicht-arteriitischer CRAO | 16 % | Temporäre Blockade (Minuten bis Stunden), z. B. durch wandernden Embolus |
| Arteriitischer CRAO | 5 % | Okklusion des Hauptstamms, typischerweise durch Riesenzellarteriitis |
Diagnostik
Es wird eine sofortige klinische Untersuchung empfohlen, bei der typischerweise eine abgeblasste Retina mit einem kirschroten Fleck in der Makula auffällt. Ein relatives afferentes Pupillendefizit (Marcus-Gunn-Pupille) ist häufig vorhanden.
Zum Ausschluss einer Riesenzellarteriitis wird die sofortige Bestimmung von Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktivem Protein (CRP) gefordert.
Bei einem Zeitfenster von unter 4,5 Stunden seit Symptombeginn wird ein natives cCT empfohlen, um intrakranielle Blutungen auszuschließen und die Eignung für eine Thrombolyse zu prüfen.
Therapie des nicht-arteriitischen CRAO
Die Leitlinie betont, dass es keine etablierte Standardtherapie mit garantierter Wirksamkeit gibt. Folgende Ansätze werden beschrieben:
-
Intravenöse Thrombolyse: Kann laut American Heart Association innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn erwogen werden.
-
Augeninnendrucksenkung: Medikamentöse Senkung oder Vorderkammerpunktion zur Erhöhung des Perfusionsdrucks.
-
Augenmassage: Zur Erzeugung von Druckschwankungen, um den Embolus zu lösen.
-
Vasodilatation: Inhalation von Carbogen (95 % Sauerstoff, 5 % Kohlendioxid) oder sublinguale Nitrate.
Therapie des arteriitischen CRAO
Bei Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis wird eine sofortige hochdosierte intravenöse Steroidtherapie empfohlen. Diese Maßnahme dient primär dem Schutz des Partnerauges vor einem irreversiblen Sehverlust.
Systemische Abklärung
Da der CRAO einem Schlaganfall entspricht, wird eine interdisziplinäre Abklärung empfohlen. Diese umfasst zwingend eine Bildgebung der Karotiden sowie eine echokardiografische Untersuchung zum Ausschluss von Emboliequellen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für die verschiedenen Therapieansätze:
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Alteplase (tPA) | 0,9 mg/kg IV (10 % als Bolus in 1 Min, Rest über 59 Min) | Thrombolyse bei nicht-arteriitischem CRAO (< 4,5 h) |
| Methylprednisolon | 1 g/Tag IV für 1 bis 3 Tage | Arteriitischer CRAO (Riesenzellarteriitis) |
| Acetazolamid | 500 mg IV | Augeninnendrucksenkung |
| Mannitol | 1,5 bis 2 g/kg IV über 30 bis 60 Minuten | Augeninnendrucksenkung |
| Timolol 0,5 % | 1 Tropfen zweimal täglich | Augeninnendrucksenkung |
| Pentoxifyllin | 600 mg dreimal täglich (oral) | Hämorheologische Therapie (Off-Label-Versuch) |
| Isosorbiddinitrat | 10 mg sublingual | Vasodilatation (Off-Label-Versuch) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist auf Sicherheitsbedenken bei der intraarteriellen Thrombolyse hin. Eine entsprechende Studie (EAGLE) wurde vorzeitig abgebrochen, da diese Methode im Vergleich zur Standardtherapie vermehrt zu unerwünschten Ereignissen wie Plaque-Dislokationen und arteriellen Dissektionen führte.
Zudem wird vor der Vorderkammerpunktion gewarnt, da einige Studien keinen Zusatznutzen zeigten, jedoch Risiken für ein Hyphäma oder eine Endophthalmitis bestehen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist der sofortige laborchemische Ausschluss einer Riesenzellarteriitis mittels BSG und CRP essenziell. Bei einem entsprechenden Verdacht wird eine unverzügliche hochdosierte intravenöse Steroidgabe empfohlen, um einen irreversiblen Sehverlust auf dem Partnerauge zu verhindern. Die Therapie sollte noch vor der bioptischen Sicherung eingeleitet werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie beschreibt einen plötzlichen, schmerzlosen und einseitigen Sehverlust. Fundoskopisch zeigt sich typischerweise eine abgeblasste Retina mit einem kirschroten Fleck in der Makula.
Da der CRAO einem ischämischen Schlaganfall entspricht, wird eine rasche kardiovaskuläre Abklärung empfohlen. Dazu gehören laut Leitlinie eine Karotis-Bildgebung, eine Echokardiografie sowie ein EKG zum Ausschluss von Emboliequellen.
Die Leitlinie verweist auf Empfehlungen der American Heart Association, wonach eine intravenöse Thrombolyse bei nicht-arteriitischem CRAO innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn erwogen werden kann. Systemische Kontraindikationen müssen dabei ausgeschlossen sein.
Eine sofortige Augenmassage kann laut Leitlinie versucht werden, um intraokulare Druckschwankungen zu erzeugen und einen Embolus zu lösen. Es wird jedoch betont, dass dies keine Standardtherapie ist und die wissenschaftliche Evidenz hierfür begrenzt ist.
Die Prognose wird als sehr schlecht eingestuft. Laut Leitlinie erlangen weniger als 10 bis 20 Prozent der Betroffenen ein funktionelles Sehvermögen zurück.
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Quelle: StatPearls: Central Retinal Artery Occlusion (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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