Tumorassoziierte Fatigue: Krafttraining und Therapie
Hintergrund
Tumorassoziierte Fatigue (CRF) ist eines der häufigsten Symptome bei Krebserkrankungen und deren Behandlung. Sie ist definiert als ein anhaltendes Gefühl physischer, emotionaler oder kognitiver Erschöpfung, das nicht proportional zur vorangegangenen Aktivität ist.
Im Gegensatz zu normaler Müdigkeit lässt sich die CRF nicht durch Schlaf oder Ausruhen beheben. Die Prävalenz wird über verschiedene Krebsarten hinweg auf 50 bis 90 Prozent geschätzt.
Krafttraining stellt eine mögliche therapeutische Intervention dar, bei der die Skelettmuskulatur gegen einen Widerstand arbeitet. Der aktuelle Cochrane Review untersucht die Evidenz für diese Trainingsform zu verschiedenen Zeitpunkten der onkologischen Behandlung.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Krafttraining bei Krebserkrankungen:
Evidenzbewertung
Der Review bewertet die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach dem GRADE-System. Die Einstufungen werden wie folgt definiert:
| Evidenzgrad | Definition laut Review |
|---|---|
| Hoch | Sehr hohes Vertrauen, dass der wahre Effekt nahe am Schätzwert liegt. |
| Moderat | Moderates Vertrauen; der wahre Effekt liegt wahrscheinlich nahe am Schätzwert, kann aber abweichen. |
| Niedrig | Begrenztes Vertrauen; der wahre Effekt kann wesentlich vom Schätzwert abweichen. |
| Sehr niedrig | Sehr wenig Vertrauen; der wahre Effekt weicht wahrscheinlich wesentlich ab. |
Krafttraining während der Krebstherapie
Laut Review zeigt Krafttraining während der aktiven Krebstherapie positive Effekte im Vergleich zu keinem Training:
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Es gibt einen wahrscheinlichen positiven Effekt auf die kurzfristige Fatigue bis zu 12 Wochen nach der Intervention (moderate Evidenz).
-
Für die kurzfristige Lebensqualität wird ein kleiner positiver Effekt beschrieben (niedrige Evidenz).
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Die Evidenz zu mittel- und langfristigen Effekten über 12 Wochen hinaus ist derzeit sehr unsicher.
Krafttraining nach der Krebstherapie
Die Datenlage für Interventionen nach Abschluss der Krebstherapie ist begrenzter:
-
Die Evidenz bezüglich der Auswirkungen auf die kurzfristige Fatigue ist sehr unsicher (sehr niedrige Evidenz).
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Auf die kurzfristige Lebensqualität hat das Training möglicherweise einen kleinen oder gar keinen Effekt (niedrige Evidenz).
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Zu mittel- und langfristigen Auswirkungen liegen keine ausreichenden Daten vor.
Sicherheit und unerwünschte Ereignisse
Der Review betont, dass die Evidenz bezüglich unerwünschter Ereignisse durch Krafttraining sehr unsicher ist. Dies liegt an einer unzureichenden und inkonsistenten Berichterstattung in den eingeschlossenen Studien.
Es wird darauf hingewiesen, dass Trainingsprogramme individuell an den Gesundheitszustand angepasst werden sollten. Generell deuten jedoch Studien außerhalb dieses Reviews nicht auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko durch Krafttraining in der Onkologie hin.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass Krafttraining besonders während der aktiven Krebstherapie einen positiven Effekt auf die kurzfristige Fatigue haben kann. Da die Datenlage zur Sicherheit in den Studien unzureichend dokumentiert wurde, wird eine strikt individuelle Anpassung des Trainings an den jeweiligen Gesundheitszustand empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass Krafttraining während der aktiven Krebstherapie die kurzfristige Fatigue wahrscheinlich verringert. Nach Abschluss der Therapie ist die Evidenzlage für einen positiven Effekt jedoch sehr unsicher.
Laut Review gibt es Hinweise auf einen kleinen positiven Effekt auf die kurzfristige Lebensqualität, wenn das Training während der Therapie stattfindet. Nach der Therapie ist der Effekt auf die Lebensqualität gering oder nicht vorhanden.
Die systematische Evidenz zu unerwünschten Ereignissen ist laut Review aufgrund mangelhafter Berichterstattung sehr unsicher. Es wird empfohlen, Trainingsprogramme stets individuell und unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten zu gestalten.
Die eingeschlossenen Studien belegen primär kurzfristige Effekte bis zu 12 Wochen nach der Intervention. Die Evidenz für mittel- und langfristige Auswirkungen auf Fatigue und Lebensqualität wird als sehr unsicher eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Resistance training for fatigue in people with cancer (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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