Thoraxdrainage: Anlage, Überwachung und Komplikationen
Hintergrund
Thoraxdrainagen (Bülau-Drainagen) sind essenzielle Instrumente zur Behandlung von Pathologien des Pleuraspalts. Sie dienen der Evakuierung von Luft, Blut oder Flüssigkeit, um die Lungenexpansion und die normalen intrathorakalen Druckverhältnisse wiederherzustellen.
Die Indikationen umfassen ein breites Spektrum, darunter Pneumothorax, Hämatothorax, Pleuraerguss und Empyem. Auch in der postoperativen Phase nach thoraxchirurgischen Eingriffen spielen sie eine zentrale Rolle zur Vermeidung von Komplikationen.
Ein strukturiertes Management durch ein interprofessionelles Team ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Dies minimiert Komplikationen wie Fehlplatzierungen oder Infektionen und optimiert den Heilungsverlauf.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Thoraxdrainagen:
Vorbereitung
Es wird die prophylaktische Gabe von Antibiotika vor der Anlage empfohlen, insbesondere im Trauma-Setting. Eine verlängerte Antibiotikaprophylaxe nach der Anlage wird hingegen nicht empfohlen, da sie Infektionsraten nicht signifikant senkt.
Bezüglich der Drainagengröße zeigt die Evidenz folgende Präferenzen:
| Drainagengröße | Bevorzugte Indikation |
|---|---|
| Kleinlumig (20–22 Fr) | Pneumothorax, unkomplizierter Hämatothorax |
| Großlumig (28–36 Fr) | Massiver Hämatothorax, visköse Ergüsse |
Anlage
Als bevorzugter Insertionsort wird das "Triangle of Safety" (sicheres Dreieck) im vierten bis fünften Interkostalraum der mittleren bis vorderen Axillarlinie empfohlen.
Die Leitlinie rät dringend von der Trokar-Technik ab, da diese das Risiko für Fehlplatzierungen und Verletzungen erhöht. Es wird eine stumpfe Präparationstechnik über den Oberrand der unteren Rippe empfohlen.
Überwachung
Unmittelbar nach der Anlage wird eine radiologische Kontrolle mittels Röntgenthorax oder Ultraschall zur Lagekontrolle empfohlen. Das Drainagesystem sollte regelmäßig auf Durchgängigkeit und Luftlecks überprüft werden.
Das sogenannte "Tidaling" (atemsynchrones Steigen und Fallen im Wasserschloss) gilt als Indikator für eine offene Drainage. Ein routinemäßiges Ausstreifen oder "Melken" der Schläuche bei Obstruktionen wird mangels Evidenz nicht empfohlen.
Entfernung
Die Leitlinie empfiehlt die Entfernung, wenn die zugrunde liegende Pathologie behoben ist und die Fördermenge unter 100 bis 200 ml in 24 Stunden liegt.
Bei speziellen postoperativen Protokollen (ERAS) kann die Grenze bei unter 500 ml liegen, sofern kein Luftleck, Eiter oder aktives Bluten vorliegt.
Der Zug der Drainage sollte synchron mit der Exspiration oder unter einem Valsalva-Manöver erfolgen. Ein routinemäßiges Röntgenbild nach der Entfernung wird zunehmend durch ein symptomgeleitetes Vorgehen ersetzt.
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert folgende absolute Kontraindikationen für die Anlage einer Thoraxdrainage:
-
Fehlende Möglichkeit eines sicheren Zugangs (z. B. durch schwere Vernarbungen oder Adhäsionen)
-
Unerfahrener Anwender ohne fachärztliche Supervision
Zusätzlich werden folgende relative Kontraindikationen genannt, die eine besondere Abwägung erfordern:
-
Lokalisierte Infektionen an der geplanten Einstichstelle
-
Unkorrigierte Koagulopathien oder erhöhtes Blutungsrisiko
-
Instabile oder stark veränderte anatomische Verhältnisse (z. B. Zwerchfellhernien)
-
Schwere Lungenerkrankungen wie fortgeschrittene Lungenfibrose oder bullöses Emphysem
-
Gekammerte oder septierte Pleuraergüsse (hier werden bildgesteuerte Katheter bevorzugt)
-
Klinisch inapparente oder asymptomatische Pneumothoraces
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die Fehlplatzierung die häufigste Komplikation bei der Anlage einer Thoraxdrainage. Es wird nachdrücklich empfohlen, auf die Verwendung von Trokaren zu verzichten und stattdessen eine stumpfe Präparationstechnik anzuwenden. Zudem sollte die Insertion immer am Oberrand der Rippe erfolgen, um iatrogene Verletzungen des Interkostalnervs und der begleitenden Gefäße zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sind kleinlumige Drainagen (20–22 Fr) bei einem Pneumothorax oder unkomplizierten Hämatothorax ausreichend und zeigen vergleichbare Ergebnisse wie größere Schläuche. Großlumige Drainagen (28–36 Fr) werden vor allem bei massiven Blutungen oder viskösen Ergüssen empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt eine einmalige prophylaktische Antibiotikagabe vor der Anlage, insbesondere bei Traumapatienten. Eine verlängerte Antibiotikatherapie über die Anlage hinaus wird jedoch nicht empfohlen, da sie die Infektionsraten nicht signifikant senkt.
Eine Entfernung wird empfohlen, wenn kein Luftleck mehr besteht und die Flüssigkeitsförderung unter 100 bis 200 ml pro 24 Stunden gesunken ist. Bei speziellen postoperativen Protokollen kann die Drainage auch bei Fördermengen bis zu 500 ml entfernt werden, sofern keine Komplikationen vorliegen.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass ein routinemäßiges Röntgenbild nach der Entfernung zunehmend verlassen wird. Es wird stattdessen eine selektive Bildgebung empfohlen, die nur bei klinischen Symptomen oder Auffälligkeiten durchgeführt wird.
Es wird empfohlen, die Drainage während der Exspiration oder während eines Valsalva-Manövers zu entfernen. Dies verhindert einen negativen intrathorakalen Druckgradienten und senkt das Risiko für einen rezidivierenden Pneumothorax.
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Quelle: StatPearls: Care of a Chest Tube (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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