Soziales Kompetenztraining bei ADHS: Evidenz & Therapie
Hintergrund
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen geht häufig mit Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeitsproblemen einher. Zudem bestehen oft erhebliche Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion.
Pharmakologische Behandlungen können die Kernsymptome der ADHS lindern, lösen jedoch selten die zwischenmenschlichen Probleme. Daher wird häufig ein Training der sozialen Kompetenzen eingesetzt, um diese Defizite auszugleichen.
Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht den Nutzen und mögliche Schäden eines solchen sozialen Kompetenztrainings. Dabei wurden 25 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 2690 Teilnehmern im Alter von 5 bis 18 Jahren analysiert.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen:
Methodische Einschränkungen
Die Autoren weisen darauf hin, dass mehr als die Hälfte der eingeschlossenen Studien ein hohes Verzerrungsrisiko (Bias) aufweisen. Es wird betont, dass die Evidenzqualität insgesamt als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wird.
Endpunkte und Evidenzqualität
Der Review bewertet die Effekte des Trainings auf verschiedene Endpunkte wie folgt:
| Endpunkt | Effekt durch soziales Kompetenztraining | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| Soziale Kompetenzen (Lehrerurteil) | Kein klinisch relevanter Effekt | Sehr niedrig |
| Emotionale Kompetenzen (Lehrerurteil) | Kein klinisch relevanter Effekt | Sehr niedrig |
| Allgemeines Verhalten (Lehrerurteil) | Kein klinisch relevanter Effekt | Niedrig |
| ADHS-Kernsymptome (Lehrerurteil) | Mögliche leichte Verbesserung | Sehr niedrig |
Detaillierte Ergebnisse
Laut Review zeigt das Training der sozialen Kompetenzen keine klinisch relevanten Effekte auf die primären Endpunkte. Dies betrifft insbesondere die sozialen und emotionalen Fähigkeiten sowie das allgemeine Verhalten.
Es wurde eine leichte Verbesserung der von Lehrern bewerteten ADHS-Kernsymptome festgestellt. Die Autoren stellen diesen Befund jedoch aufgrund methodischer Mängel und hoher Heterogenität in Frage.
Hinsichtlich der schulischen Leistungen konnte kein positiver Effekt durch das Training nachgewiesen werden.
Sicherheit und Fazit
In den Studien wurden keine schwerwiegenden oder leichten unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Training berichtet. Dennoch kann ein potenzieller Schaden laut Review nicht völlig ausgeschlossen werden.
Zusammenfassend gibt es laut den Autoren zu wenig Evidenz, um ein soziales Kompetenztraining bei ADHS eindeutig zu empfehlen oder abzulehnen.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass der routinemäßige Einsatz von sozialem Kompetenztraining bei ADHS aufgrund fehlender Wirksamkeitsnachweise kritisch zu hinterfragen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass die Intervention möglicherweise knappe klinische Ressourcen bindet, ohne einen nachweisbaren klinischen Nutzen für das allgemeine Verhalten zu erbringen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine ausreichende Evidenz, die einen klinisch relevanten Nutzen von sozialem Kompetenztraining bei ADHS belegt. Weder das allgemeine Verhalten noch die sozialen Fähigkeiten wurden signifikant verbessert.
Die analysierten Studien zeigen keinen positiven Effekt des sozialen Kompetenztrainings auf die schulischen Leistungen der betroffenen Kinder. Der Review stuft die Evidenz in diesem Bereich als sehr schwach ein.
In den untersuchten Studien wurden keine unerwünschten Ereignisse durch das Training berichtet. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass negative Effekte aufgrund der Studienqualität nicht völlig ausgeschlossen werden können.
Es gab in einigen Studien Hinweise auf eine leichte Verringerung der ADHS-Symptome. Dieser Befund wird vom Review jedoch aufgrund methodischer Mängel und einer sehr niedrigen Evidenzqualität stark angezweifelt.
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Quelle: Cochrane Review: Social skills training for attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) in children aged 5 to 18 years (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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