Sehschärfeprüfung (Visus): Durchführung und Zielwerte
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die Prüfung der Sehschärfe (Visus) als essenziellen Bestandteil einer umfassenden augenärztlichen Untersuchung. Ziel ist es, die visuelle Klarheit durch die Erkennung standardisierter Optotypen (Buchstaben oder Symbole) aus einer definierten Entfernung zu bestimmen.
Ein intakter Visus erfordert ein funktionierendes System aus Hornhaut, Linse, Netzhaut und visueller Hirnrinde. Häufige Ursachen für eine verminderte Sehschärfe sind Refraktionsfehler (Myopie, Hyperopie), Katarakte, Makuladegeneration oder akute Verletzungen.
Die Ergebnisse werden klassischerweise als Bruch angegeben, wobei 20/20 (oder 6/6 in Metern) der Normalsichtigkeit entspricht. Laut Leitlinie definiert die WHO eine Sehbehinderung ab einem bestkorrigierten Visus von 20/60 oder schlechter, während in den USA eine gesetzliche Blindheit bei 20/200 beginnt.
Empfehlungen
Indikationen
Die Leitlinie nennt folgende Hauptindikationen für eine Visusprüfung:
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Screening auf Sehstörungen
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Diagnostik von refraktären Augenerkrankungen
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Evaluation akuter traumatischer oder nicht-traumatischer Sehveränderungen
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Reevaluation nach korrigierenden Eingriffen
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Zertifizierungsuntersuchungen (z. B. für den Führerschein)
Durchführung und Dokumentation
Für die Standardtestung wird eine Entfernung von 20 Fuß (ca. 6 Meter) zur Sehtafel (z. B. Snellen- oder LogMAR-Tafel) empfohlen. Die Augen werden einzeln abgedeckt und nacheinander getestet.
Wenn die oberste Zeile nicht gelesen werden kann, wird die Testdistanz verringert. Bei vollständiger Unfähigkeit, die Tafel zu lesen, empfiehlt die Leitlinie eine stufenweise Testung:
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Fingerzählen (Counting Fingers, CF)
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Handbewegungen (Hand Motion, HM)
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Lichtscheinwahrnehmung (Light Perception, LP)
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Keine Lichtscheinwahrnehmung (No Light Perception, NLP)
Zur Differenzierung von Refraktionsfehlern wird der Einsatz einer Lochblende (Pinhole) empfohlen. Ziel ist es stets, den bestkorrigierten Visus zu ermitteln.
Pädiatrisches Screening
Bei Kindern gelten altersabhängige Zielwerte (kritische Linien), die auf der Sehtafel erreicht werden sollten. Ein Nicht-Erreichen dieser Werte sollte laut Leitlinie zu einer augenärztlichen Überweisung führen.
| Alter | Kritische Linie (Mindestvisus) |
|---|---|
| 3 bis 4 Jahre | 20/50 |
| 4 bis 5 Jahre | 20/40 |
| Ab 5 Jahren | 20/30 |
Screening-Intervalle für Erwachsene
Für asymptomatische Erwachsene ohne signifikante Risikofaktoren werden altersabhängige Screening-Intervalle empfohlen. Bei spezifischen Vorerkrankungen gelten abweichende Rhythmen.
| Alter / Risikogruppe | Empfohlenes Screening-Intervall |
|---|---|
| Unter 40 Jahre | Alle 5 bis 10 Jahre |
| 40 bis 54 Jahre | Alle 2 bis 4 Jahre |
| 55 bis 64 Jahre | Alle 1 bis 3 Jahre |
| Ab 65 Jahren | Alle 1 bis 2 Jahre |
| Diabetes Typ 1 | 5 Jahre nach Diagnose, dann jährlich |
| Diabetes Typ 2 | Ab Diagnosezeitpunkt jährlich |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt akute chemische Expositionen des Auges als einzige Situation, in der eine sofortige Visusprüfung kontraindiziert ist. In diesen Fällen wird eine unverzügliche Spülung des Auges ohne Verzögerung empfohlen. Die Sehschärfe kann nach der gründlichen Spülung beurteilt werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei mechanischen Augenverletzungen Kontaktlinsen zur Sehkorrektur während der Testung zu verwenden; stattdessen wird der Einsatz von Brillen oder einer Lochblende (Pinhole) empfohlen. Zudem wird betont, dass ein initialer Visus von 20/20 eine signifikante Pathologie mit drohendem langfristigen Sehverlust nicht ausschließt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt die Testung dann stufenweise über das Zählen von Fingern (CF) und das Erkennen von Handbewegungen (HM). Wenn dies nicht möglich ist, wird auf Lichtscheinwahrnehmung (LP) oder fehlende Lichtscheinwahrnehmung (NLP) geprüft.
Während die Snellen-Tafel im Alltag am weitesten verbreitet ist, wird in klinischen Studien die LogMAR-Tafel (ETDRS-Tafel) bevorzugt. Die Leitlinie begründet dies mit der höheren Genauigkeit und der besseren Verwendbarkeit der Ergebnisse für visuelle Analysen.
Bei Typ-1-Diabetes wird eine erste Untersuchung fünf Jahre nach Diagnosestellung empfohlen, gefolgt von jährlichen Kontrollen. Bei Typ-2-Diabetes sollte die jährliche Testung laut Leitlinie direkt ab dem Diagnosezeitpunkt beginnen.
Die Leitlinie merkt an, dass Smartphone-Apps zwar reproduzierbare Ergebnisse zur Verfolgung von Visusveränderungen liefern, sie jedoch möglicherweise nicht so genau sind wie klassische Messmethoden unter Standardbedingungen.
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Quelle: StatPearls: Visual Acuity (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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