Retinitis: Diagnostik, Therapie und Monitoring
Hintergrund
Retinitis ist eine Entzündung der Netzhaut, die häufig im Rahmen systemischer Infektionen oder entzündlicher Erkrankungen auftritt. Unbehandelt birgt sie ein hohes Risiko für einen irreversiblen Sehverlust durch Netzhautablösung oder Makulaschäden.
Zu den häufigsten infektiösen Erregern zählen das Cytomegalievirus (CMV), Toxoplasma gondii und Herpesviren. Zu den nicht-infektiösen Ursachen gehören Autoimmunerkrankungen wie der Morbus Behçet, die Sarkoidose oder der systemische Lupus erythematodes.
Die Pathophysiologie variiert je nach Ursache, umfasst jedoch meist eine Störung der Blut-Retina-Schranke und eine lokale Immunantwort. Eine frühzeitige Differenzierung zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen ist für das Überleben der Netzhaut essenziell.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung der Retinitis:
Diagnostik
Es wird eine umfassende ophthalmologische Basisdiagnostik empfohlen, um das Ausmaß der Netzhautbeteiligung zu erfassen. Die Leitlinie rät zu folgenden Maßnahmen:
-
Eine gründliche Funduskopie zur Beurteilung der Läsionen.
-
Der Einsatz von Fluoreszenzangiografie (FFA) und optischer Kohärenztomografie (OCT) zur Beurteilung von Gefäßverschlüssen und Makulaödemen.
-
Bei unklarer Ätiologie eine PCR-Testung des Kammer- oder Glaskörperwassers auf Erreger wie VZV, HSV, CMV und Toxoplasmen.
-
Ein systemisches Screening mittels Röntgenthorax (Ausschluss Sarkoidose/Tuberkulose) und Serologie (z.B. Lues-Diagnostik).
Therapieprinzipien
Laut Leitlinie ist bei infektiöser Retinitis zwingend zuerst eine antimikrobielle Therapie einzuleiten. Erst im Anschluss wird die Gabe von Kortikosteroiden zur Entzündungshemmung empfohlen.
Es wird empfohlen, Steroide frühestens 2 bis 3 Tage nach Beginn der antimikrobiellen Therapie hinzuzufügen. Ein vorzeitiger Steroideinsatz ohne Erregerabdeckung wird als potenziell lebensbedrohlich eingestuft.
Spezifische medikamentöse Therapie
Die Leitlinie empfiehlt eine erreger- oder krankheitsspezifische Behandlungsstrategie:
-
CMV-Retinitis: Orale Gabe von Valganciclovir als Erstlinientherapie. Bei sehkraftbedrohenden Läsionen wird zusätzlich eine intravitreale Injektion von Ganciclovir oder Foscarnet empfohlen.
-
Toxoplasmose: Therapie mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) für sechs Wochen. Alternativ wird eine Kombination aus Pyrimethamin und Sulfadiazin angeraten.
-
Akute retinale Nekrose (ARN): Sofortige antivirale Therapie mit intravenösem Acyclovir oder oralem Valacyclovir, um das Partnerauge zu schützen.
-
Morbus Behçet: Kombination aus systemischen Glukokortikoiden und Immunsuppressiva (z.B. Azathioprin oder TNF-alpha-Inhibitoren).
Monitoring
Es werden engmaschige ophthalmologische Kontrolluntersuchungen empfohlen, um das Ansprechen auf die Therapie zu überwachen. Bei CMV-Retinitis unter HIV-Infektion wird eine Erhaltungstherapie angeraten, bis die CD4-Zellzahl für mindestens 6 Monate über 100 bis 150 Zellen/µL ansteigt.
Dosierung
| Indikation | Medikament | Dosierung | Dauer / Bemerkung |
|---|---|---|---|
| CMV-Retinitis (Induktion) | Valganciclovir (oral) | 900 mg 2-mal täglich | Gefolgt von Erhaltungstherapie |
| CMV-Retinitis (Erhaltung) | Valganciclovir (oral) | 900 mg 1-mal täglich | Bis CD4-Anstieg >100-150/µL für >6 Monate |
| Toxoplasmose-Retinitis | Trimethoprim-Sulfamethoxazol (oral) | 160 mg TMP / 800 mg SMX 2-mal täglich | Für 6 Wochen (bei normaler Nierenfunktion) |
| Akute retinale Nekrose (Induktion) | Acyclovir (i.v.) | 10-15 mg/kg alle 8 Stunden | Für 10-14 Tage |
| Akute retinale Nekrose (Erhaltung) | Acyclovir (oral) | 800 mg 5-mal täglich | Für 6-12 Wochen |
| Okuläre Syphilis | Penicillin G (i.v.) | 18-24 Millionen IE/Tag (3-4 Mio. IE alle 4h) | Für 10-14 Tage |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, bei einer infektiösen Retinitis oder Panuveitis eine Kortikosteroidtherapie ohne vorherige antimikrobielle Abdeckung zu beginnen.
Dies kann laut Leitlinie zu schweren okulären Schäden führen und bei Vorliegen einer systemischen Infektion lebensbedrohlich sein.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die strikte Reihenfolge bei der medikamentösen Therapie infektiöser Ursachen. Es wird betont, dass immer zuerst die antimikrobielle Therapie etabliert werden muss, bevor nach 2 bis 3 Tagen Kortikosteroide hinzugefügt werden. Ein vorzeitiger Steroideinsatz kann die Infektion massiv verschlimmern und zu irreversiblen Netzhautschäden führen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie orales Valganciclovir. Bei akuter Bedrohung der Sehkraft durch Läsionen nahe der Makula wird zusätzlich eine intravitreale Injektion von Ganciclovir oder Foscarnet empfohlen.
Es wird eine PCR-Untersuchung des Kammer- oder Glaskörperwassers auf VZV, HSV, CMV und Toxoplasmose empfohlen. Ergänzend wird ein systemisches Screening mittels Röntgenthorax und Lues-Serologie angeraten.
Eine Therapie wird unter anderem bei immungeschwächten Personen, Schwangeren und bei Läsionen in der Nähe der Makula oder des Sehnervs empfohlen. Bei immunkompetenten Patienten mit peripheren Läsionen ist die Infektion oft selbstlimitierend.
Laut Leitlinie präsentiert sich die ARN mit rasch fortschreitenden, peripheren Nekrosen und einer starken Glaskörperentzündung. Die CMV-Retinitis zeigt hingegen typischerweise weniger Glaskörperentzündung und oft begleitende Einblutungen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Retinitis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen