REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Therapie-Empfehlung
Hintergrund
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (Rapid Eye Movement Sleep Behavior Disorder, RBD) ist eine Parasomnie, bei der die physiologische Muskelatonie während des REM-Schlafs aufgehoben ist. Dies führt dazu, dass Betroffene ihre Träume motorisch ausagieren, was mit einem erheblichen Verletzungsrisiko einhergeht.
Die Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine (AASM) aus dem Jahr 2023 befasst sich mit dem klinischen Management der RBD bei Erwachsenen. Sie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur medikamentösen Therapie sowie zur Anpassung der Schlafumgebung.
In den Empfehlungen wird differenziert zwischen der isolierten RBD, der sekundären RBD aufgrund einer medizinischen Grunderkrankung (wie Morbus Parkinson) und der medikamenteninduzierten RBD.
Klinischer Kontext
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) betrifft etwa 0,5 bis 1 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Männer über 50 Jahre sind besonders häufig betroffen, wobei die Prävalenz im Alter ansteigt.
Ursächlich ist ein Verlust der physiologischen Muskelatonie während des REM-Schlafs. Dies führt dazu, dass Betroffene ihre oft lebhaften und aggressiven Träume motorisch ausagieren.
RBD geht mit einem erheblichen Verletzungsrisiko für die Patienten und deren Bettpartner einher. Zudem gilt die idiopathische Form als starker prodromaler Marker für Alpha-Synucleinopathien wie Morbus Parkinson oder die Lewy-Körperchen-Demenz.
Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese der nächtlichen Auffälligkeiten sowie eine Polysomnographie. In der Schlaflaboruntersuchung muss ein REM-Schlaf ohne Atonie (RSWA) nachgewiesen werden.
Wissenswertes
Patienten berichten häufig über lebhafte, oft bedrohliche Träume, die mit vokalen Äußerungen und komplexen motorischen Handlungen einhergehen. Dies kann Schlagen, Treten oder Rufen umfassen, was nicht selten zu Verletzungen führt.
Der Goldstandard für die Diagnose ist die Polysomnographie im Schlaflabor. Dort zeigt sich ein fehlender Abfall des Muskeltonus im REM-Schlaf, gepaart mit den typischen klinischen Verhaltensauffälligkeiten.
Eine idiopathische RBD entwickelt sich bei einem Großteil der Patienten im Verlauf von Jahren bis Jahrzehnten zu einer Alpha-Synucleinopathie. Dazu zählen vor allem Morbus Parkinson, die Lewy-Körperchen-Demenz und die Multisystematrophie.
Bestimmte Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), können eine RBD demaskieren oder verschlechtern. Auch der Entzug von Alkohol oder Sedativa kann vorübergehend ähnliche Symptome hervorrufen.
Wichtige Differenzialdiagnosen sind Non-REM-Parasomnien wie Schlafwandeln oder Pavor nocturnus, nächtliche Frontallappenepilepsien sowie das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Eine genaue schlafmedizinische Abklärung ist zur Unterscheidung unerlässlich.
Im Vordergrund steht die Schaffung einer sicheren Schlafumgebung, um Verletzungen zu vermeiden. Dazu gehören das Entfernen spitzer Gegenstände, das Polstern von Bettkanten und gegebenenfalls das Schlafen auf einer Matratze am Boden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die Schaffung einer sicheren Schlafumgebung von überragender Bedeutung ist, noch bevor medikamentöse Schritte eingeleitet werden. Es wird dringend dazu geraten, potenziell als Waffe nutzbare Gegenstände vom Nachttisch zu entfernen und harte Möbelkanten zu polstern, um verletzungsträchtige Traumata während des Ausagierens von Träumen zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut AASM-Leitlinie können Clonazepam, unretardiertes Melatonin oder Pramipexol eingesetzt werden. Bei Patienten mit zusätzlicher leichter kognitiver Einschränkung wird transdermales Rivastigmin empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt für diese spezifische Konstellation den Einsatz von transdermalem Rivastigmin. Alternativ werden auch hier Clonazepam oder unretardiertes Melatonin als Therapieoptionen genannt.
Nein, die Leitlinie spricht sich explizit gegen den Einsatz der Tiefen Hirnstimulation (DBS) zur Behandlung einer sekundären REM-Schlaf-Verhaltensstörung aus.
Bei einer medikamenteninduzierten Form der Erkrankung wird das Absetzen der auslösenden Substanz empfohlen. Dies wird als wirksamer erachtet als die Fortführung und zusätzliche Gabe von Schlafmedikation.
Es wird empfohlen, scharfe Möbelkanten zu polstern, weiche Teppiche neben das Bett zu legen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite zu bringen. Bei schweren Formen wird ein getrenntes Schlafen vom Partner angeraten.
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Quelle: Management of REM Sleep Behavior Disorder: Clinical Practice Guideline (AAN, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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