Kortikosteroide bei Influenza: Mortalität und Risiken
Hintergrund
Influenza führt weltweit zu erheblicher Morbidität und Mortalität. Bei schweren Verläufen, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordern, werden häufig Kortikosteroide als adjuvante Therapie eingesetzt.
Die Rationale für diesen Einsatz basiert auf den entzündungshemmenden Eigenschaften der Kortikosteroide. Sie sollen der bei schweren Influenza-Verläufen beobachteten Hyperzytokinämie entgegenwirken.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Praxis. Es wurden 30 Studien mit über 99.000 Personen ausgewertet, wobei die Evidenzqualität überwiegend als sehr niedrig eingestuft wurde.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zur adjuvanten Kortikosteroid-Gabe bei Influenza:
Mortalität und klinischer Verlauf
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Die Auswertung der Beobachtungsstudien zeigt eine Assoziation zwischen der Kortikosteroid-Therapie und einer erhöhten Mortalität (Odds Ratio 3,90).
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Zudem wird ein erhöhtes Risiko für die Aufnahme auf eine Intensivstation sowie für die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung beschrieben.
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Die Autoren betonen jedoch, dass diese Ergebnisse aufgrund methodischer Einschränkungen der Primärstudien mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Unerwünschte Ereignisse
Laut dem Review ist die Kortikosteroid-Gabe mit einem signifikant erhöhten Risiko für nosokomiale Infektionen assoziiert.
Bewertung der Evidenz
Die aktuelle Evidenz reicht nicht aus, um die Wirksamkeit von Kortikosteroiden bei Influenza abschließend zu beurteilen. Es liegt eine starke Verzerrung durch die Indikation vor, da tendenziell schwerer erkrankte Personen häufiger Kortikosteroide erhielten.
Für eine fundierte klinische Empfehlung werden laut den Autoren qualitativ hochwertige, randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) benötigt.
💡Praxis-Tipp
Bei der Behandlung schwerer Influenza-Verläufe wird eine kritische Nutzen-Risiko-Abwägung bezüglich Kortikosteroiden empfohlen. Der Review warnt vor einer potenziell erhöhten Mortalität und einem gesteigerten Risiko für Krankenhausinfektionen. Die routinemäßige Gabe wird durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt.
Häufig gestellte Fragen
Nein, laut dem Cochrane Review ist die adjuvante Gabe von Kortikosteroiden in Beobachtungsstudien mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass diese Daten durch die Schwere der Grunderkrankung verzerrt sein könnten.
Der Review beschreibt ein signifikant erhöhtes Risiko für nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) unter der Therapie mit Kortikosteroiden. Zudem wurde eine Assoziation mit einer häufigeren Notwendigkeit zur mechanischen Beatmung beobachtet.
Aktuell gibt es keine ausreichende Evidenz, die den routinemäßigen Einsatz von Kortikosteroiden bei Influenza unterstützt. Der Review betont den Bedarf an weiteren randomisierten kontrollierten Studien, um eine sichere klinische Empfehlung aussprechen zu können.
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Quelle: Cochrane Review: Corticosteroids as adjunctive therapy in the treatment of influenza (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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