Karotis-Doppler: Untersuchungsprotokoll und Befundung
Hintergrund
Schlaganfälle gehören zu den führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität. Eine Hauptursache für ischämische Schlaganfälle ist die systemische, extra- und intrakranielle Atherosklerose.
Die Doppler-Sonografie hat sich als primäre, nicht-invasive und gut verfügbare Methode zur Beurteilung der extrakraniellen Karotiden etabliert. Sie dient dem Screening, der Diagnose und der Überwachung von atherosklerotischen Erkrankungen.
Durch die Kombination aus quantitativer Geschwindigkeitsmessung und qualitativer B-Bild-Sonografie ermöglicht das Verfahren eine präzise Risikostratifizierung. Dies ist laut StatPearls-Leitlinie entscheidend, um Indikationen für chirurgische Eingriffe zu stellen und Schlaganfälle zu verhindern.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für die Durchführung und Auswertung der Karotis-Doppler-Sonografie:
Indikationen und Vorbereitung
Es werden folgende Hauptindikationen für die Untersuchung genannt:
-
Hemisphärische und nicht-hemisphärische neurologische Symptome
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Zervikales Strömungsgeräusch oder pulsierende Raumforderung am Hals
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Präoperative Evaluation vor großen kardiovaskulären Eingriffen
-
Verlaufskontrolle einer bekannten Karotiserkrankung und Subclavian-Steal-Syndrom
Es wird die Verwendung eines hochfrequenten Linearschallkopfs empfohlen. Die Untersuchung sollte in Rückenlage mit leicht überstrecktem und um 45 Grad zur Gegenseite gedrehtem Kopf erfolgen.
Untersuchungstechnik
Die Leitlinie empfiehlt, zunächst eine B-Bild-Untersuchung von der Fossa jugularis bis zum Kieferwinkel durchzuführen. Dabei sollen Gefäßverlauf, Intima-Media-Dicke und Plaque-Eigenschaften wie Echogenität, Oberfläche und Verkalkung beurteilt werden.
Für die anschließende Doppler-Untersuchung wird ein Insonationswinkel von unter 60 Grad gefordert. Der Winkel muss parallel zur Flussrichtung eingestellt werden, um genaue Geschwindigkeitsmessungen zu gewährleisten.
Spektraldoppler und Wellenformen
Die spektrale Doppler-Auswertung liefert wichtige Parameter wie die systolische Spitzengeschwindigkeit (PSV) und die enddiastolische Geschwindigkeit. Es wird beschrieben, dass die Arteria carotis interna (ICA) einen flachen Widerstandsindex zeigt, während die Arteria carotis externa (ECA) einen hohen Widerstand aufweist.
Spezifische pathologische Wellenformen können auf distale oder proximale Pathologien hinweisen. Ein Pulsus parvus et tardus tritt typischerweise distal einer stenotischen Engstelle auf.
Kriterien der Stenosegraduierung
Zur Quantifizierung einer Stenose der Arteria carotis interna (ICA) nennt der Text spezifische Geschwindigkeitskriterien. Sekundäre Kriterien umfassen die PSV-Quotienten zwischen ICA und CCA von über 2,0 beziehungsweise 4,0.
| Stenosegrad der ICA | Systolische Spitzengeschwindigkeit (PSV) | Klinische Relevanz |
|---|---|---|
| ≥ 50 % | > 180 cm/s | Hämodynamisch relevant |
| ≥ 70 % | > 230 cm/s | Mögliche Indikation zur Endarteriektomie |
Beurteilung der Arteria vertebralis
Die Arteriae vertebrales sollen zuletzt untersucht werden, um die Flussrichtung zu bestimmen. Ein verändertes Flussmuster kann auf eine proximale Okklusion der Arteria subclavia oder des Truncus brachiocephalicus hinweisen.
| Stadium | Flussmuster im Spektraldoppler |
|---|---|
| Pre-Steal | Antegrader Fluss mit mittsystolischer Dezeleration (mögliche Umkehr bei Armbelastung) |
| Partieller Steal | Systolische Flussumkehr |
| Kompletter Steal | Vollständig umgekehrter Fluss während Systole und Diastole |
💡Praxis-Tipp
Ein inkorrekt eingestellter Doppler-Winkel führt zu ungenauen Geschwindigkeitsmessungen und somit zu falschen Stenosegraduierungen. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, den Insonationswinkel stets unter 60 Grad zu halten und exakt parallel zur Blutflussrichtung auszurichten. Zudem wird betont, dass die Farbgain-Einstellungen so optimiert werden müssen, dass die Farbe auf das Gefäßlumen beschränkt bleibt, um Artefakte zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein hochfrequenter Linearschallkopf empfohlen. Für die B-Bild-Darstellung werden Frequenzen von 5,0 bis 12,0 MHz und für den Doppler 5,0 bis 7,5 MHz eingesetzt.
Eine systolische Spitzengeschwindigkeit (PSV) von über 230 cm/s in der Arteria carotis interna korreliert mit einer Stenose von 70 Prozent oder mehr. Dies kann laut Text eine Indikation zur chirurgischen Endarteriektomie darstellen.
Die Arteria carotis interna (ICA) zeigt typischerweise einen Fluss mit niedrigem Widerstand. Im Gegensatz dazu weist die Arteria carotis externa (ECA) ein Hochwiderstandsprofil auf.
Diese Wellenform ist durch eine verzögerte und verminderte arterielle Pulsation gekennzeichnet. Sie tritt in der Regel distal einer signifikanten stenotischen Engstelle auf.
Die Diagnose erfolgt durch die Beurteilung der Flussrichtung in der Arteria vertebralis. Bei einem kompletten Steal-Syndrom zeigt sich ein vollständig retrograder Fluss während der gesamten Systole und Diastole.
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Quelle: StatPearls: Doppler Extra-Cranial Carotid Assessment, Protocols, and Interpretation (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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