Kardioversion: Indikation, Technik und Energiestufen
Hintergrund
Die synchronisierte elektrische Kardioversion ist ein Verfahren zur Beendigung lebensbedrohlicher oder hämodynamisch instabiler tachykarder Rhythmusstörungen. Im Gegensatz zur Defibrillation wird sie bei Personen angewendet, die noch einen Puls aufweisen.
Häufige Ursachen für einen plötzlichen Herzstillstand bei Erwachsenen sind die pulslose ventrikuläre Tachykardie (VT) oder das Kammerflimmern. Eine VT kann jedoch auch mit Puls auftreten und ist oft eine Vorstufe zum Kammerflimmern.
Supraventrikuläre Tachykardien (SVT) umfassen Rhythmen über 100 Schläge pro Minute, die oberhalb des His-Bündels entstehen. Dazu gehören unter anderem Sinustachykardien, Vorhofflimmern und Vorhofflattern.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung orientiert sich an den ACLS-Richtlinien (Advanced Cardiovascular Life Support) und formuliert folgende Kernaspekte:
Rhythmusbeurteilung
Laut Leitlinie erfolgt die Beurteilung tachykarder Rhythmen in drei Schritten. Zunächst wird die Tachykardie identifiziert und anschließend anhand der QRS-Breite klassifiziert:
-
Schmalkomplex-Tachykardie (QRS-Breite unter 0,12 Sekunden)
-
Breitkomplex-Tachykardie (QRS-Breite über 0,12 Sekunden)
Klinische Stabilität und Therapieentscheidung
Der dritte Schritt ist die Prüfung auf Vorhandensein eines Pulses. Pulslose Rhythmen werden gemäß den Algorithmen für Herzstillstand (Kammerflimmern oder pulslose elektrische Aktivität) behandelt.
Bei vorhandenem Puls entscheidet die hämodynamische Stabilität über die Therapie. Eine Tachykardie gilt als instabil, wenn begleitend Brustschmerzen, Dyspnoe, Bewusstseinsveränderungen, Hypotonie, Lungenödem oder ischämische EKG-Veränderungen auftreten.
Für stabile Verläufe wird primär eine medikamentöse Therapie empfohlen. Bei instabilen Tachykardien ist die synchronisierte Kardioversion die Behandlung der Wahl.
Durchführung der synchronisierten Kardioversion
Die Leitlinie betont den Unterschied zur Defibrillation. Bei der synchronisierten Kardioversion wird der Schock gezielt auf die R-Zacke des QRS-Komplexes abgegeben.
Dies verhindert, dass der Schock in die vulnerable Phase (T-Zacke) fällt. Eine Schockabgabe in dieser Phase könnte ein Kammerflimmern auslösen (R-auf-T-Phänomen).
Energiestufen
Für die Energiewahl wird folgendes eskalierendes Schema empfohlen:
| Schock-Nummer | Empfohlene Energie |
|---|---|
| 1. Schock | 50 Joule (Startenergie) |
| 2. Schock | 100 Joule (Verdopplung) |
| 3. Schock | 200 Joule (bei Refraktärität) |
Komplikationsmanagement
Sollte der Puls während der Behandlung einer instabilen SVT ausfallen, wird ein Wechsel zum Algorithmus für pulslose elektrische Aktivität (PEA) empfohlen. Bei Pulsverlust unter einer ventrikulären Tachykardie erfolgt der Wechsel zum Kammerflimmern-Algorithmus.
Tritt ein Kammerflimmern auf, muss der Defibrillator sofort aus dem Synchronisationsmodus genommen werden. Eine Defibrillation ist nicht möglich, solange das Gerät nach einem QRS-Komplex sucht.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es keine Kontraindikationen für die synchronisierte Kardioversion.
Das Vorhandensein eines Herzschrittmachers oder eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) ändert weder die Indikation noch die Durchführung des Verfahrens.
💡Praxis-Tipp
Es wird davor gewarnt, bei einem neu aufgetretenen Kammerflimmern den Defibrillator im Synchronisationsmodus zu belassen. Die Leitlinie betont, dass das Gerät in diesem Modus keinen Schock abgibt, da es vergeblich nach einem QRS-Komplex sucht. Daher muss die Synchronisation für eine lebensrettende Defibrillation zwingend deaktiviert werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gilt eine Tachykardie als instabil, wenn Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Hypotonie, Lungenödeme oder ischämische EKG-Veränderungen vorliegen. In diesen Fällen wird eine sofortige elektrische Therapie empfohlen.
Die StatPearls-Zusammenfassung empfiehlt, mit einer niedrigen Energie von 50 Joule zu beginnen. Bei Erfolglosigkeit sollte die Energie verdoppelt werden, sodass bei refraktären Fällen nach drei Schocks 200 Joule erreicht werden.
Ja, die Leitlinie stellt klar, dass implantierte Schrittmacher oder Defibrillatoren (ICDs) keine Kontraindikation darstellen. Die Indikation und Durchführung bleiben unverändert.
Bei der Defibrillation wird der Schock sofort bei Knopfdruck abgegeben, was bei Herzstillstand angewendet wird. Die synchronisierte Kardioversion gibt den Schock zeitverzögert genau auf die R-Zacke ab, um bei Vorhandensein eines Pulses ein Kammerflimmern zu vermeiden.
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Quelle: StatPearls: Synchronized Electrical Cardioversion (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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