Instantaneous Wave-Free Ratio (iFR): Indikation zur PCI
Hintergrund
Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine der führenden Todesursachen. Zur Beurteilung von Koronarstenosen wird standardmäßig die Herzkatheteruntersuchung mit Angiografie eingesetzt.
Bei mittelgradigen Läsionen mit einer Stenose von 40 bis 70 Prozent reicht die rein visuelle Einschätzung oft nicht aus, um die hämodynamische Relevanz zu beurteilen. In diesen Fällen kommen physiologische Messmethoden wie die fraktionelle Flussreserve (FFR) oder die neuere Instantaneous Wave-Free Ratio (iFR) zum Einsatz.
Im Gegensatz zur FFR benötigt die iFR laut der StatPearls-Zusammenfassung keine Gabe von hyperämisierenden Medikamenten wie Adenosin. Die Messung erfolgt in einer spezifischen diastolischen Phase, der sogenannten "wave-free period", in der der Mikrozirkulationswiderstand minimal ist und die Druckverhältnisse optimal beurteilt werden können.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung der iFR:
Indikation
Die Durchführung einer iFR-Messung wird zur Beurteilung von unklaren Koronarstenosen (40 bis 70 Prozent) bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit empfohlen. Ziel ist es, die hämodynamische Relevanz objektiv zu bewerten.
Diagnostischer Workflow und Cut-off-Werte
Die Leitlinie definiert spezifische iFR-Werte zur Entscheidung zwischen einer perkutanen Koronarintervention (PCI) und einer optimalen medikamentösen Therapie (OMT). Bei Werten im Graubereich wird ein hybrider Ansatz mit anschließender FFR-Messung empfohlen.
| Patientenstatus | iFR-Wert | Empfehlung |
|---|---|---|
| Symptomatisch / Ischämie-Nachweis | ≤ 0,89 | PCI empfohlen |
| Symptomatisch / Ischämie-Nachweis | 0,90 - 0,93 | FFR-Bestätigung empfohlen (Graubereich) |
| Symptomatisch / Ischämie-Nachweis | > 0,93 | Optimale medikamentöse Therapie (OMT) |
| Asymptomatisch | < 0,86 | PCI empfohlen |
| Asymptomatisch | 0,86 - 0,89 | FFR-Bestätigung empfohlen (Graubereich) |
| Asymptomatisch | > 0,89 | Optimale medikamentöse Therapie (OMT) |
Komplikationen
Die Risiken der iFR-Messung entsprechen laut Leitlinie denen einer regulären Herzkatheteruntersuchung. Zu den möglichen Komplikationen zählen:
-
Blutungen, Hämatome und Pseudoaneurysmen an der Zugangsstelle
-
Kontrastmittel-induzierte akute Nierenschädigung
-
Anaphylaktische Reaktionen auf das Kontrastmittel
-
Dissektion der Koronararterie
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es keine absoluten Kontraindikationen für die Durchführung einer iFR-Messung. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Methode bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) aktuell nicht empfohlen wird.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass bei iFR-Werten im Graubereich (0,90 bis 0,93 bei symptomatischen Patienten) eine alleinige iFR-Messung nicht ausreicht. In diesen Fällen empfiehlt die Leitlinie einen hybriden Ansatz mit anschließender FFR-Messung zur definitiven Klärung der hämodynamischen Relevanz.
Häufig gestellte Fragen
Die iFR (Instantaneous Wave-Free Ratio) misst die Druckverhältnisse in einer spezifischen diastolischen Ruhephase und benötigt keine medikamentöse Hyperämie. Die FFR (fraktionelle Flussreserve) erfordert hingegen die Gabe von Vasodilatatoren wie Adenosin, um eine maximale Hyperämie zu erzeugen.
Bei Patienten mit klinischen Ischämie-Symptomen wird laut StatPearls bei einem iFR-Wert von 0,89 oder darunter eine perkutane Koronarintervention (PCI) empfohlen. Bei asymptomatischen Patienten liegt der Cut-off für eine PCI bei unter 0,86.
Die Leitlinie rät von der Anwendung der iFR bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) ab. Die primäre Indikation liegt bei der stabilen koronaren Herzkrankheit mit mittelgradigen Stenosen.
Als mittelgradig oder unklar werden laut Leitlinie Koronarstenosen mit einer luminalen Einengung zwischen 40 Prozent und 70 Prozent eingestuft. Bei diesen Läsionen reicht eine rein visuelle Beurteilung oft nicht aus, weshalb eine physiologische Messung empfohlen wird.
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Quelle: StatPearls: Instantaneous Wave-Free Ratio (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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