Ibrutinib bei CLL: Zusatznutzen und Therapie-Indikation
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Ibrutinib in Kombination mit Obinutuzumab bei erwachsenen Personen mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL).
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterscheidet dabei drei verschiedene Therapiesituationen. Diese basieren auf der Eignung für eine FCR-Therapie (Fludarabin, Cyclophosphamid, Rituximab) sowie dem Vorliegen spezifischer Mutationen.
Als Datengrundlage für die Bewertung diente primär die iLLUMINATE-Studie. Diese vergleicht die Kombination aus Ibrutinib und Obinutuzumab mit einer Therapie aus Chlorambucil und Obinutuzumab.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
FCR-geeignete Personen
Für die Patientengruppe, für die eine FCR-Therapie infrage kommt, wurden keine Daten vorgelegt. Ein Zusatznutzen ist für diese Gruppe somit nicht belegt.
FCR-ungeeignete Personen
Für Personen, für die eine FCR-Therapie nicht infrage kommt, zeigt die Auswertung der iLLUMINATE-Studie geschlechtsspezifische Unterschiede.
Für Frauen ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Dies begründet sich primär durch einen geringeren Schaden bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUEs) und schweren Nebenwirkungen.
Für Männer heben sich die positiven und negativen Effekte bei den Nebenwirkungen weitestgehend auf. Daher ist für Männer in dieser Indikation kein Zusatznutzen belegt.
Spezifische Mutationen
Für die Gruppe mit 17p-Deletion und/oder TP53-Mutation legte der pharmazeutische Unternehmer lediglich unadjustierte Vergleiche einzelner Studienarme vor.
Diese Daten werden als ungeeignet eingestuft, da die Ergebnisunsicherheit zu hoch ist. Ein Zusatznutzen ist für diese Population folglich nicht belegt.
Nebenwirkungsprofil
Die Auswertung zeigt signifikante Unterschiede bei spezifischen unerwünschten Ereignissen.
Vorteile für die Ibrutinib-Kombination zeigten sich bei:
-
Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion
-
Übelkeit
-
Schwerer Neutropenie (nur bei Frauen)
Nachteile für die Ibrutinib-Kombination ergaben sich bei:
-
Herzerkrankungen
-
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Dosierung
Die in der iLLUMINATE-Studie angewendeten Dosierungsschemata stellen sich wie folgt dar:
| Studienarm | Medikament | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Intervention | Ibrutinib | 420 mg 1-mal täglich | Bis Progression oder inakzeptabler Toxizität |
| Intervention | Obinutuzumab | 1000 mg (Zyklus 1: Tag 1, 2, 8, 15; Zyklus 2-6: Tag 1) | 6 Zyklen (à 28 Tage) |
| Kontrolle | Chlorambucil | 0,5 mg/kg Körpergewicht an Tag 1 und 15 | 6 Zyklen (à 28 Tage) |
| Kontrolle | Obinutuzumab | 1000 mg (Zyklus 1: Tag 1, 2, 8, 15; Zyklus 2-6: Tag 1) | 6 Zyklen (à 28 Tage) |
Kontraindikationen
Laut Studienprotokoll der iLLUMINATE-Studie waren folgende Begleitbehandlungen unter der Therapie nicht erlaubt:
-
Kortikosteroide in einer Dosis von > 20 mg/Tag Prednison-Äquivalent für > 14 aufeinanderfolgende Tage
-
Mittelstarke bis starke CYP3A4-Inhibitoren sowie starke CYP3A4-Induktoren
-
Unter Ibrutinib-Therapie: Warfarin, Vitamin-K-Antagonisten, Chemotherapie, Tumor-Immuntherapie und Strahlentherapie
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist auf ein signifikant erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen unter der Kombinationstherapie mit Ibrutinib und Obinutuzumab hin. Es wird impliziert, dass bei der Therapieentscheidung insbesondere bei männlichen Personen eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte, da für diese Gruppe insgesamt kein Zusatznutzen belegt ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht hängt der Zusatznutzen von der Eignung für eine FCR-Therapie und dem Geschlecht ab. Ein geringer Zusatznutzen ist lediglich für Frauen belegt, für die eine FCR-Therapie nicht infrage kommt.
Der Bericht beschreibt eine Dosierung von 420 mg Ibrutinib einmal täglich per os. Die Einnahme erfolgt kontinuierlich bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten inakzeptabler Unverträglichkeiten.
Die Auswertung zeigt einen signifikanten Unterschied zum Nachteil der Ibrutinib-Kombination bei Herzerkrankungen sowie bei Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes. Gleichzeitig traten jedoch weniger infusionsbedingte Reaktionen auf.
Für die Gruppe mit 17p-Deletion oder TP53-Mutation konnte kein Zusatznutzen festgestellt werden. Die vorgelegten Daten aus historischen Vergleichen einzelner Studienarme wurden als methodisch nicht ausreichend bewertet.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A19-77: Ibrutinib (nAWG, chronisch lymphatische Leukämie)- Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A20-88: Ibrutinib (CLL) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A16-04: Ibrutinib - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A16-39: Ibrutinib (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A20-104: Acalabrutinib (chronische lymphatische Leukämie; Kombination mit Obinutuzumab) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A16-60: Ibrutinib (chronische lymphatische Leukämie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen