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Hypoglykämie: Prävention, Diagnostik und Stufentherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Diabetes Canada (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Eine Hypoglykämie wird klinisch durch das Auftreten autonomer oder neuroglykopenischer Symptome, einen Plasmaglukosewert von unter 4,0 mmol/L und das Ansprechen auf Kohlenhydrate definiert. Sie stellt ein erhebliches Hindernis für das Erreichen glykämischer Ziele bei Patienten unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie dar.

Häufige Unterzuckerungen können die Lebensqualität stark einschränken und zu einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung führen. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen unter anderem eine lange Insulindauer, ein HbA1c unter 6,0 Prozent, Niereninsuffizienz sowie kognitive Einschränkungen.

Schwere Hypoglykämien sind bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Zudem können sie gefährliche Situationen im Alltag, wie beispielsweise beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen, auslösen.

Empfehlungen

Die Diabetes Canada Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Handhabung von Unterzuckerungen:

Prävention und Risikominimierung

Es wird empfohlen, alle Patienten unter Insulin oder insulinfreisetzenden Medikamenten bezüglich Hypoglykämie-Risiken aufzuklären. Bei jedem Arztbesuch sollten die Erfahrungen des Patienten mit Unterzuckerungen sowie die Fahrtauglichkeit evaluiert werden.

Zur Risikoreduktion bei gefährdeten Patienten werden folgende Strategien empfohlen:

  • Vermeidung von stark hypoglykämisierenden Pharmakotherapien

  • Strukturierte Schulungsprogramme zur strikten Vermeidung von Hypoglykämien

  • Erhöhte Frequenz der Blutzuckerselbstkontrolle, inklusive nächtlicher Messungen

  • Vorübergehend weniger strenge glykämische Ziele für bis zu 3 Monate

Therapie der leichten bis mittelschweren Hypoglykämie

Laut Leitlinie wird die orale Aufnahme von 15 g schnell wirksamen Kohlenhydraten empfohlen. Bevorzugt sollten Glukose- oder Saccharosetabletten verwendet werden, da diese wirksamer sind als Orangensaft oder Glukosegele.

Nach 15 Minuten sollte der Blutzucker kontrolliert werden. Bleibt der Wert unter 4,0 mmol/L, wird die erneute Gabe von 15 g Kohlenhydraten empfohlen.

Therapie der schweren Hypoglykämie

Bei ansprechbaren Patienten wird initial die orale Gabe von 20 g Kohlenhydraten empfohlen.

Für bewusstlose Patienten formuliert die Leitlinie folgende Notfallmaßnahmen:

  • Ohne intravenösen Zugang: 1 mg Glukagon subkutan oder intramuskulär

  • Mit intravenösem Zugang: 10 bis 25 g Glukose intravenös über 1 bis 3 Minuten

  • Nach erfolgreicher Behandlung sollte eine reguläre Mahlzeit oder ein Snack eingenommen werden

Dosierung

Schweregrade der Hypoglykämie

SchweregradKlinische MerkmaleBlutzuckerwert
LeichtAutonome Symptome, Selbstbehandlung möglich< 4,0 mmol/L
MittelschwerAutonome und neuroglykopenische Symptome, Selbstbehandlung möglich< 4,0 mmol/L
SchwerFremdhilfe erforderlich, ggf. BewusstlosigkeitTypischerweise < 2,8 mmol/L

Akuttherapie der Hypoglykämie

PatientenzustandTherapieWiederholung / Kontrolle
Leicht bis mittelschwer15 g Kohlenhydrate oral (bevorzugt Glukosetabletten)Kontrolle nach 15 Min., ggf. Wiederholung (15 g)
Schwer (ansprechbar)20 g Kohlenhydrate oralKontrolle nach 15 Min., ggf. Wiederholung (15 g)
Schwer (bewusstlos, kein IV-Zugang)1 mg Glukagon s.c. oder i.m.Notarzt verständigen
Schwer (bewusstlos, IV-Zugang)10-25 g Glukose i.v. über 1-3 MinutenNotarzt verständigen

Kontraindikationen

Patienten, die Alpha-Glukosidase-Hemmer (Acarbose) einnehmen, dürfen zur Behandlung einer Hypoglykämie ausschließlich reine Glukose (Dextrose), Milch oder Honig verwenden.

Die Leitlinie warnt, dass die Wirksamkeit von Glukagon bei Patienten reduziert ist, die zuvor größere Mengen Alkohol konsumiert haben, lange gefastet haben oder an einer fortgeschrittenen Lebererkrankung leiden.

Zudem wird vor einer Überbehandlung der Hypoglykämie gewarnt, da dies zu einer Rebound-Hyperglykämie und Gewichtszunahme führen kann.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass bei Patienten unter Acarbose-Therapie eine Hypoglykämie zwingend mit reiner Glukose (Dextrose) behandelt werden muss. Haushaltszucker (Saccharose) ist in diesem Fall ineffektiv, da die Aufspaltung im Darm medikamentös blockiert ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Einnahme von 15 g schnell wirksamen Kohlenhydraten, bevorzugt in Form von Glukosetabletten. Nach 15 Minuten sollte der Blutzucker kontrolliert und die Gabe bei Werten unter 4,0 mmol/L wiederholt werden.

Bei bewusstlosen Patienten ohne venösen Zugang wird die Gabe von 1 mg Glukagon subkutan oder intramuskulär empfohlen. Ist ein intravenöser Zugang vorhanden, sollten 10 bis 25 g Glukose intravenös verabreicht werden.

Es wird zwischen autonomen Symptomen wie Zittern, Schwitzen und Herzklopfen sowie neuroglykopenischen Symptomen unterschieden. Letztere umfassen laut Leitlinie Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Sehstörungen und Schwindel.

Sobald die Hypoglykämie behoben ist, sollte der Patient seine reguläre Mahlzeit einnehmen. Ist die nächste Mahlzeit mehr als eine Stunde entfernt, wird ein Snack mit 15 g Kohlenhydraten und einer Proteinquelle empfohlen.

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Quelle: Diabetes Canada Chapter 14: Hypoglycemia (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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