Hüftfraktur: Analgesie, OP-Zeitpunkt und Mobilisation
Hintergrund
Hüftfrakturen stellen aufgrund der alternden Bevölkerung ein erhebliches öffentliches Gesundheitsproblem dar. Die NICE-Leitlinie CG124 bietet evidenzbasierte Empfehlungen für das Management von Hüftfrakturen bei Erwachsenen, von der Aufnahme bis zur Rückkehr in die häusliche Umgebung.
Ein Sturz und eine daraus resultierende Fraktur weisen oft auf zugrunde liegende gesundheitliche Probleme hin. Daher ist ein umfassender, multidisziplinärer Ansatz erforderlich, der die hohe Prävalenz von Komorbiditäten berücksichtigt.
Die Leitlinie betont die Bedeutung einer strukturierten orthogeriatrischen Betreuung. Ziel ist es, die Mortalität zu senken, die Unabhängigkeit der Betroffenen zu fördern und eine schnelle Rehabilitation zu ermöglichen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Hüftfrakturen:
Diagnostik und OP-Vorbereitung
Bei Verdacht auf eine okkulte Hüftfraktur und unauffälligem Röntgenbild wird ein MRT empfohlen. Falls ein MRT innerhalb von 24 Stunden nicht verfügbar oder kontraindiziert ist, sollte ein CT in Betracht gezogen werden.
Es wird empfohlen, die Operation am Tag der Aufnahme oder am Folgetag durchzuführen. Korrigierbare Komorbiditäten (wie Anämie, Volumendefizit oder Herzinsuffizienz) sind umgehend zu behandeln, um die Operation nicht zu verzögern.
Analgesie und Anästhesie
Eine sofortige Schmerzerfassung und Analgesie bei Aufnahme wird empfohlen. Die Schmerztherapie sollte ausreichen, um notwendige Bewegungen für Untersuchungen und Pflege zu tolerieren.
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Prä- und postoperativ wird Paracetamol alle 6 Stunden empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.
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Bei unzureichender Schmerzlinderung sollten zusätzlich Opioide verabreicht werden (postoperativ als schnell freisetzende Präparate).
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Intraoperative Nervenblöcke können für alle chirurgischen Eingriffe erwogen werden.
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Die Wahl zwischen Spinal- und Allgemeinanästhesie sollte nach Abwägung der Risiken und Vorteile getroffen werden.
Chirurgische Therapie
Das Operationsziel ist die sofortige, uneingeschränkte Vollbelastung in der postoperativen Phase. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem Frakturtyp:
| Frakturtyp | Empfohlenes chirurgisches Verfahren |
|---|---|
| Dislozierte intrakapsuläre Fraktur | Arthroplastik (TEP oder Hemiarthroplastik) mit zementierten Implantaten |
| Trochantäre Fraktur (oberhalb/inkl. Trochanter minor) | Extramedulläres Implantat (z. B. dynamische Hüftschraube) |
| Subtrochantäre Fraktur | Intramedullärer Marknagel |
Eine totale Hüftendoprothese (TEP) sollte gegenüber einer Hemiarthroplastik bei dislozierten intrakapsulären Frakturen erwogen werden, wenn die Person zuvor unabhängig mobil war. Zudem sollte keine Kontraindikation vorliegen und eine unabhängige Lebensführung für mehr als 2 Jahre zu erwarten sein.
Postoperatives Management und Rehabilitation
Eine physiotherapeutische Beurteilung und erste Mobilisation sollten am Tag nach der Operation erfolgen, sofern keine medizinischen Kontraindikationen bestehen. Es wird eine tägliche Mobilisation empfohlen.
Ab der Aufnahme wird ein formelles, orthogeriatrisches Hüftfraktur-Programm empfohlen. Dieses umfasst eine schnelle Optimierung der Operationsfähigkeit, die Festlegung individueller Rehabilitationsziele und eine koordinierte multidisziplinäre Betreuung.
Zur Delir-Prävention wird ein aktives Screening auf kognitive Einschränkungen bei Aufnahme empfohlen. Bei Auftreten eines Delirs sollte eine individualisierte Betreuung erfolgen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät explizit von der Verwendung nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) zur Analgesie bei Hüftfrakturen ab. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Nervenblöcke nicht als Ersatz für eine frühzeitige Operation eingesetzt werden dürfen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, eine Operation aufgrund von Komorbiditäten unnötig zu verzögern. Es wird stattdessen eine sofortige Identifikation und Behandlung korrigierbarer Faktoren wie Anämie oder Elektrolytstörungen empfohlen, um eine chirurgische Versorgung am Aufnahme- oder Folgetag sicherzustellen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird empfohlen, die Operation am Tag der Aufnahme oder spätestens am Folgetag durchzuführen. Korrigierbare Komorbiditäten sollten umgehend behandelt werden, um Verzögerungen zu vermeiden.
Es wird eine Basisanalgesie mit Paracetamol alle 6 Stunden empfohlen. Bei Bedarf können zusätzlich Opioide (postoperativ als schnell freisetzende Präparate) verabreicht werden, während NSAR nicht empfohlen werden.
Eine TEP sollte bei dislozierten intrakapsulären Frakturen erwogen werden, wenn die betroffene Person zuvor weitgehend unabhängig mobil war. Zudem sollte eine unabhängige Lebensführung für mehr als weitere zwei Jahre zu erwarten sein.
Bei unauffälligem Röntgenbild, aber weiterhin bestehendem klinischen Verdacht, empfiehlt die Leitlinie ein MRT. Ist dieses innerhalb von 24 Stunden nicht verfügbar, sollte ein CT in Betracht gezogen werden.
Sofern keine medizinischen oder chirurgischen Kontraindikationen vorliegen, wird eine physiotherapeutische Beurteilung und erste Mobilisation bereits am Tag nach der Operation empfohlen.
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Quelle: CG124: Hip fracture management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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