Hepatitis-B-Impfung: Indikation, Dosierung und Titer
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie fasst die aktuellen Empfehlungen zur Hepatitis-B-Impfung zusammen. Ziel der Immunisierung ist die Prävention einer aktiven Infektion, welche zu chronischem Leberversagen und hepatozellulären Karzinomen führen kann.
Der Impfstoff besteht aus einer nicht-infektiösen Untereinheit des Virus und induziert eine aktive Immunität gegen das Oberflächenantigen. Dies vermittelt laut Leitlinie einen lebenslangen Schutz gegen alle Virusgenotypen (A bis H).
Ein vermindertes Ansprechen auf die Impfung wird häufiger bei bestimmten Personengruppen beobachtet. Dazu zählen Personen über 40 Jahren, Menschen mit Adipositas oder Zöliakie sowie Personen mit Tabakkonsum oder Alkoholabusus.
Empfehlungen
Indikationsstellung
Gemäß der Leitlinie wird die Impfung für alle Säuglinge und ungeimpften Kinder empfohlen. Zudem wird eine Immunisierung für Erwachsene mit erhöhtem Infektions- oder Komplikationsrisiko angeraten.
Zu den Risikogruppen zählen unter anderem:
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Personen mit Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen, Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Personen mit HBsAg-positiven Partnern
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Medizinisches Personal und Dialysepatienten
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Personen mit Diabetes mellitus (19 bis 59 Jahre), HIV, Hepatitis C oder chronischen Lebererkrankungen
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Intravenös Drogenkonsumierende und inhaftierte Personen
Applikation
Die Leitlinie empfiehlt die intramuskuläre Injektion in den Musculus deltoideus. Von einer intradermalen Verabreichung wird abgeraten.
Nach der Verabreichung wird eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 15 Minuten empfohlen, um mögliche Synkopen oder Anzeichen einer Anaphylaxie zu erkennen.
Titer-Kontrollen und Monitoring
Eine routinemäßige Titer-Bestimmung wird im Allgemeinen nicht empfohlen. Ausnahmen bilden laut Leitlinie medizinisches Personal mit Expositionsrisiko sowie immunkompromittierte Personen.
Bei diesen Gruppen wird eine serologische Testung 1 bis 2 Monate nach der letzten Impfdosis empfohlen. Ein Anti-HBs-Titer von mindestens 10 mIU/mL gilt als Nachweis einer ausreichenden Immunität.
Vorgehen bei Non-Respondern
Abhängig vom gemessenen Titer nach der Grundimmunisierung empfiehlt die Leitlinie folgendes Vorgehen:
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Titer 10 bis 100 mIU/mL: Es wird eine einzelne Auffrischungsdosis ohne erneute Titer-Kontrolle empfohlen.
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Titer unter 10 mIU/mL: Es wird ein Ausschluss einer früheren Infektion sowie eine erneute Gabe von 3 Impfdosen mit anschließender Titer-Kontrolle empfohlen.
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Anhaltendes Nicht-Ansprechen: Es werden aggressivere Interventionen wie eine hochdosierte Impfung oder eine doppelte Dosis des Kombinationsimpfstoffs (Hepatitis A und B) beschrieben. Bei Exposition wird die Gabe von Hepatitis-B-Immunglobulin empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie beschreibt folgende Impfschemata für die Hepatitis-B-Impfung:
| Impfstoff-Typ | Zielgruppe | Dosierungsschema | Dauer der Grundimmunisierung |
|---|---|---|---|
| Rekombinanter Standard-Impfstoff | Alle Altersgruppen | 3 Dosen | 6 Monate |
| Neuer adjuvantierter Impfstoff | Erwachsene | 2 Dosen | 1 Monat |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für die Hepatitis-B-Impfung:
-
Bekannte Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile oder Hefe
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Schwere unerwünschte Ereignisse (z. B. Anaphylaxie) nach einer früheren Hepatitis-B-Impfung
Ausdrücklich keine Kontraindikationen sind laut Leitlinie:
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Guillain-Barré-Syndrom in der Anamnese
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Autoimmunerkrankungen
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Schwangerschaft und Stillzeit (da der Impfstoff nicht-infektiös ist und kein Risiko für eine fetale Übertragung besteht)
💡Praxis-Tipp
Bei der Titer-Kontrolle von Risikogruppen ist zu beachten, dass ein Wert zwischen 10 und 100 mIU/mL als unzureichendes Ansprechen gewertet wird. In diesem Fall wird laut Leitlinie lediglich eine einzelne Auffrischungsdosis verabreicht, ohne dass danach eine erneute serologische Kontrolle erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie geht von einem lebenslangen Schutz aus. Studien bestätigen eine anhaltende Immunität von mindestens 25 Jahren bei Personen, die initial gut auf die Impfung angesprochen haben.
Ja, eine Schwangerschaft stellt laut Leitlinie keine Kontraindikation dar. Da der Impfstoff nur nicht-infektiöse Oberflächenantigene enthält, besteht kein Risiko für das ungeborene Kind.
In diesem Fall wird empfohlen, zunächst auf eine bereits durchgemachte Infektion zu testen. Anschließend sollte ein kompletter neuer Impfzyklus mit 3 Dosen verabreicht und der Titer nach 1 bis 4 Monaten erneut kontrolliert werden.
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Einstichstelle (3 bis 29 %) sowie eine leicht erhöhte Körpertemperatur (1 bis 6 %). Schwere allergische Reaktionen treten fast ausschließlich bei einer Hefe-Allergie auf.
Eine generelle Titer-Kontrolle wird nicht empfohlen. Die Leitlinie rät zu einer Überprüfung lediglich bei medizinischem Personal mit Expositionsrisiko sowie bei immunkompromittierten Personen.
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Quelle: StatPearls: Hepatitis B Vaccine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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