Händedesinfektion in Schulen: Reduktion von Fehlzeiten
Hintergrund
Krankheitsbedingte Fehlzeiten in Vorschulen und Schulen stellen ein weltweites Problem dar. Sie beeinträchtigen den Lernfortschritt der Kinder und führen häufig zu Arbeitsausfällen bei den Eltern.
Eine etablierte Strategie zur Infektionsprävention ist die Handhygiene. Das traditionelle Händewaschen mit Wasser und Seife ist jedoch im Schulalltag oft mit praktischen Hürden verbunden, wie etwa dem fehlenden Zugang zu fließendem Wasser im Klassenzimmer.
Als Alternative bietet sich die Handreinigung ohne Wasser (z.B. durch alkoholische Handdesinfektionsmittel oder Gele) an. Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht, ob diese Methode die Fehlzeiten von Vorschul- und Schulkindern im Vergleich zu herkömmlichen Methoden oder keiner spezifischen Intervention wirksam reduzieren kann.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse von 19 Studien folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit der Handreinigung ohne Wasser:
Auswirkungen auf Fehlzeiten
Laut Review zeigt die Intervention einen kleinen, aber potenziell vorteilhaften Effekt auf krankheitsbedingte Fehlzeiten. Die Evidenzqualität wird jedoch durchgehend als niedrig oder sehr niedrig eingestuft.
Die Meta-Analyse liefert folgende spezifische Ergebnisse im Vergleich zu Kontrollgruppen:
| Endpunkt | Effekt (Incidence Rate Ratio) | Evidenzgrad (GRADE) | Interpretation laut Review |
|---|---|---|---|
| Fehlzeiten (alle Gründe) | 0,91 | Sehr niedrig | Wahrscheinlich kein wesentlicher Unterschied |
| Fehlzeiten (alle Krankheiten) | 0,82 | Sehr niedrig | Mögliche Reduktion (13 statt 16 Tage pro 1000) |
| Fehlzeiten (Atemwegsinfekte) | 0,79 | Sehr niedrig | Mögliche Reduktion (33 statt 42 Tage pro 1000) |
| Fehlzeiten (Magen-Darm-Infekte) | 0,79 | Niedrig | Mögliche Reduktion (6 statt 8 Tage pro 1000) |
Nebenwirkungen und Akzeptanz
Hinsichtlich unerwünschter Hautreaktionen (wie Rötungen oder Trockenheit) stellt der Review keinen bedeutsamen Unterschied zwischen der Nutzung von Handdesinfektionsmitteln und herkömmlicher Seife fest.
Zudem wird berichtet, dass die Compliance bei der Anwendung moderat bis hoch ist. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler bewerten die wasserlose Handreinigung überwiegend positiv und bevorzugen diese oft gegenüber Wasser und Seife, da sie zeitsparender ist.
Implikationen für die Praxis
Bei der Entscheidung für die Einführung eines wasserlosen Handhygieneprogramms wird empfohlen, lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Dazu zählen laut Review:
-
Das Alter der Kinder (der Nutzen ist bei jüngeren Kindern potenziell größer)
-
Die aktuellen lokalen Raten an krankheitsbedingten Fehlzeiten
-
Die anfallenden Kosten für die Bereitstellung der Desinfektionsmittel, insbesondere in ressourcenschwachen Umgebungen
Kontraindikationen
Der Review weist auf folgende potenzielle Risiken und Einschränkungen hin:
-
Ein primäres Risiko bei der Verwendung von Handgelen ist die Augenreizung, falls das Produkt versehentlich in die Augen gelangt.
-
Es wird berichtet, dass Kinder mit bestehendem Ekzem oder anderen chronischen Hauterkrankungen das Gel nicht verwenden sollten, da es zu Exazerbationen der Hautbeschwerden kommen kann.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review betont, dass die wasserlose Handreinigung besonders im Schulalltag eine zeitsparende und gut akzeptierte Alternative zu Wasser und Seife darstellt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass der absolute Effekt auf die Fehlzeiten gering ist. Daher sollte vor einer flächendeckenden Einführung stets eine lokale Kosten-Nutzen-Abwägung erfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review kann die Bereitstellung von Handdesinfektionsmitteln krankheitsbedingte Fehlzeiten leicht reduzieren. Der Effekt zeigt sich insbesondere bei Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten, wobei die Evidenzqualität insgesamt als niedrig eingestuft wird.
Der Review stellt fest, dass es keinen signifikanten Unterschied bei unerwünschten Hautreaktionen zwischen der Nutzung von Handdesinfektion und herkömmlicher Seife gibt. Bei Kindern mit chronischen Hauterkrankungen wie Ekzemen wird jedoch von der Nutzung abgeraten.
Die Übersichtsarbeit zeigt, dass Handdesinfektion im Schulalltag oft besser akzeptiert wird, da sie schneller durchführbar ist und keine Waschbecken im Klassenzimmer erfordert. Beide Methoden sind Teil einer guten Infektionsprävention, wobei die Desinfektion logistische Vorteile bietet.
Die im Review eingeschlossenen Studien untersuchten Kinder ab dem Säuglingsalter bis hin zu 14 Jahren. Es wird berichtet, dass der präventive Nutzen bei jüngeren Kindern in Vorschulen und Kindertagesstätten potenziell größer ausfällt.
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Quelle: Cochrane Review: Rinse-free hand wash for reducing absenteeism among preschool and school children (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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