NICEA2022Neurologie

Epilepsie: Diagnostik und medikamentöse Stufentherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG217) fasst die aktuellen Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Epilepsien bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusammen. Ein besonderer Fokus liegt auf der sicheren Anwendung von Antiepileptika unter Berücksichtigung neuer behördlicher Warnhinweise.

Epilepsien umfassen ein breites Spektrum an Anfallsarten und Syndromen, die eine individuell angepasste Therapiestrategie erfordern. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer präzisen Diagnosestellung mittels Bildgebung und Elektroenzephalografie (EEG).

Zudem wird auf die Reduktion epilepsiebedingter Risiken, einschließlich des plötzlichen unerwarteten Todes bei Epilepsie (SUDEP), sowie auf die Behandlung von Begleiterkrankungen und den Übergang in die Erwachsenenmedizin eingegangen.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Diagnostik und Erstbeurteilung

Nach einem ersten unprovozierten Anfall wird eine dringliche Überweisung an einen Spezialisten innerhalb von zwei Wochen empfohlen. Es sollte eine individuelle Risikobewertung für weitere Anfälle erfolgen, bei der auch modifizierbare Faktoren wie Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

Zur Abklärung struktureller Ursachen wird eine MRT-Untersuchung nach regionalen Epilepsie-Protokollen empfohlen. Ein EEG sollte zur Unterstützung der Diagnose herangezogen werden, darf aber laut Leitlinie nicht zum Ausschluss einer Epilepsie verwendet werden.

Prinzipien der medikamentösen Therapie

Es wird empfohlen, die Behandlung primär mit einer Monotherapie zu beginnen. Bei unzureichender Wirksamkeit sollte eine alternative Monotherapie versucht werden, bevor eine Kombinationstherapie (Add-on) erwogen wird.

Die Leitlinie betont, dass die Auswahl des Antiepileptikums individuell an Anfallsart, Epilepsiesyndrom, Alter und Geschlecht angepasst werden muss.

Therapie nach Anfallsart

Für die medikamentöse Behandlung verschiedener Anfallsarten empfiehlt die Leitlinie folgende Erst- und Zweitlinientherapien:

AnfallsartErstlinientherapie (Monotherapie)Zweitlinien- oder Add-on-Therapie
Generalisierte tonisch-klonische AnfälleLamotrigin, Levetiracetam, ValproatClobazam, Perampanel, Topiramat
Fokale AnfälleLamotrigin, LevetiracetamCarbamazepin, Oxcarbazepin, Zonisamid
AbsencenEthosuximidLamotrigin, Levetiracetam, Valproat
Myoklonische AnfälleLevetiracetam, ValproatBrivaracetam, Clobazam, Clonazepam, Lamotrigin
Tonische oder atonische AnfälleLamotrigin, ValproatClobazam, Rufinamid, Topiramat

Status epilepticus

Bei einem konvulsiven Status epilepticus (Anfallsdauer über 5 Minuten) wird die sofortige Gabe eines Benzodiazepins empfohlen. Im ambulanten Bereich sollte dies bukkal (Midazolam) oder rektal (Diazepam) erfolgen, im klinischen Setting intravenös (Lorazepam).

Bei ausbleibendem Ansprechen nach zwei Benzodiazepin-Gaben empfiehlt die Leitlinie als Zweitlinientherapie intravenöses Levetiracetam, Phenytoin oder Valproat.

Risikomanagement und SUDEP

Es wird empfohlen, das individuelle Risiko für einen plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP) mit den Betroffenen zu besprechen. Modifizierbare Risikofaktoren wie mangelnde Therapieadhärenz oder nächtliche Anfälle ohne Überwachung sollten minimiert werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie hebt folgende strenge Warnhinweise und Kontraindikationen der MHRA hervor:

  • Valproat bei Personen unter 55 Jahren: Darf nicht erstmalig verschrieben werden, es sei denn, zwei Spezialisten dokumentieren unabhängig voneinander, dass keine andere wirksame Therapie existiert.

  • Valproat bei Frauen und Mädchen: Darf bei gebärfähigem Alter nicht angewendet werden, außer es greift ein striktes Schwangerschaftsverhütungsprogramm.

  • Valproat bei Männern: Es wird eine effektive Kontrazeption während der Therapie und für drei Monate nach dem Absetzen empfohlen.

  • Topiramat: Darf bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter nur unter den Bedingungen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms eingesetzt werden.

  • Verschlechterung von Anfällen: Bestimmte Medikamente (z. B. Carbamazepin, Gabapentin, Oxcarbazepin, Phenytoin, Pregabalin) können Absencen oder myoklonische Anfälle verschlimmern und sollten bei diesen Anfallsarten vermieden werden.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, ein unauffälliges Routine-EEG zum Ausschluss einer Epilepsie-Diagnose zu verwenden. Da die Sensitivität im interiktalen Intervall gering ist, wird bei anhaltendem klinischem Verdacht empfohlen, provozierende Maßnahmen (wie Schlafentzug) oder ein Langzeit-EEG in Betracht zu ziehen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine medikamentöse Therapie nach einem ersten unprovozierten Anfall nicht routinemäßig empfohlen. Ein sofortiger Beginn sollte jedoch erwogen werden, wenn neurologische Defizite vorliegen, das EEG eindeutige epilepsietypische Potenziale zeigt oder strukturelle Auffälligkeiten in der Bildgebung bestehen.

Die Leitlinie empfiehlt Lamotrigin oder Levetiracetam als Erstlinientherapie bei fokalen Anfällen. Bei unzureichender Wirkung können Carbamazepin, Oxcarbazepin oder Zonisamid als Alternativen eingesetzt werden.

Es wird empfohlen, bei einem konvulsiven Status epilepticus (Dauer ab 5 Minuten) im ambulanten Bereich sofort ein Benzodiazepin zu verabreichen. Bevorzugt wird bukkales Midazolam oder alternativ rektales Diazepam eingesetzt.

Die Leitlinie warnt davor, dass Medikamente wie Carbamazepin, Gabapentin, Oxcarbazepin, Phenytoin und Pregabalin Absencen exazerbieren können. Bei diesen Anfallsarten wird stattdessen primär Ethosuximid empfohlen.

Gemäß den zitierten MHRA-Richtlinien darf Valproat bei Personen unter 55 Jahren nur dann neu angesetzt werden, wenn zwei Spezialisten unabhängig voneinander bestätigen, dass keine andere Therapie wirksam oder verträglich ist. Zudem gelten strenge Vorgaben zur Kontrazeption.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: NICE Guideline on Epilepsy (NICE, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.