Anästhesie bei Asthma: Optimierung & Atemwegssicherung
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie befasst sich mit dem Anästhesiemanagement bei Asthma bronchiale. Die Erkrankung stellt aufgrund der bronchialen Hyperreagibilität ein erhöhtes Risiko für perioperative respiratorische Komplikationen dar.
Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählen Bronchospasmen, Laryngospasmen und Hypoxämien. Das Risiko ist bei gut kontrolliertem Asthma gering, steigt jedoch bei unzureichender Symptomkontrolle oder bei Kindern unter sechs Jahren signifikant an.
Ziel des perioperativen Managements ist es, die Asthmakontrolle vor elektiven Eingriffen zu optimieren. Zudem sollen intraoperativ atemwegsstimulierende Faktoren durch eine gezielte Medikamenten- und Verfahrenswahl minimiert werden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das perioperative Management:
Präoperative Evaluation
Es wird eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung zur Beurteilung der Asthmakontrolle empfohlen. Routinemäßige Laboruntersuchungen, Röntgenbilder des Thorax oder Lungenfunktionstests werden laut Leitlinie nicht generell empfohlen.
Eine Spirometrie sollte lediglich erwogen werden, wenn die Asthmakontrolle unklar ist oder der Peak-Flow-Wert unter 80 Prozent des Vorhersagewertes liegt. Besondere Aufmerksamkeit wird auf Risikofaktoren wie einen Atemwegsinfekt in den letzten zwei Wochen gelenkt.
Präoperative Medikation
Die Leitlinie empfiehlt, die asthmaspezifische Dauermedikation bis einschließlich zum Tag der Operation fortzuführen. Eine Ausnahme bildet Theophyllin, welches pausiert werden sollte.
Bei unzureichend kontrolliertem Asthma und Hochrisikoeingriffen wird eine fünftägige Vorbehandlung mit oralen Glukokortikoiden und kurzwirksamen Bronchodilatatoren empfohlen. Kurz vor der Anästhesieeinleitung kann die prophylaktische Gabe eines kurzwirksamen Bronchodilatators erfolgen.
Anästhesieführung und Atemwegssicherung
Um eine Atemwegsmanipulation zu vermeiden, wird der Einsatz von Regionalanästhesieverfahren empfohlen, sofern dies chirurgisch möglich ist. Bei einer Allgemeinanästhesie sollten weniger invasive Atemwegshilfen wie supraglottische Atemwege gegenüber Endotrachealtuben bevorzugt werden.
Medikamentenwahl
Die Auswahl der Anästhetika sollte sich an deren Einfluss auf den Atemwegswiderstand orientieren. Die Leitlinie vergleicht hierzu verschiedene Wirkstoffklassen:
| Medikamentenklasse | Bevorzugte Wirkstoffe | Zu vermeidende Wirkstoffe | Begründung / Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Volatile Anästhetika | Sevofluran, Isofluran | Desfluran | Sevofluran und Isofluran wirken bronchodilatatorisch; Desfluran erhöht den Atemwegswiderstand. |
| Induktionshypnotika | Propofol, Ketamin | Thiopental, Etomidat | Propofol dämpft Reflexe; Ketamin wirkt bronchodilatatorisch, erhöht aber die Sekretion. |
| Muskelrelaxanzien | Rocuronium, Vecuronium, Cisatracurium | Depolarisierende Relaxanzien (bei Kindern) | Die bevorzugten Wirkstoffe weisen die geringste Histaminfreisetzung auf. |
| Antagonisten | Sugammadex | Neostigmin | Neostigmin kann durch Acetylcholin-Akkumulation eine Bronchokonstriktion fördern. |
Postoperatives Monitoring
Postoperativ wird eine engmaschige Überwachung der Oxygenierung und der Atemmechanik empfohlen. Die präoperative Asthmamedikation sollte nahtlos fortgesetzt werden, um Exazerbationen zu vermeiden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Desfluran: Der Einsatz wird bei Asthma nicht empfohlen, da es den Tonus der bronchialen glatten Muskulatur und den Atemwegswiderstand erhöhen kann.
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Neostigmin: Der Wirkstoff sollte nur mit großer Vorsicht angewendet werden, da die Hemmung des Acetylcholinabbaus eine Bronchokonstriktion verstärken kann.
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Depolarisierende Muskelrelaxanzien: Diese sollten bei Kindern aufgrund des Risikos eines hyperkaliämischen Herzstillstands bei potenziell unerkannten Myopathien vermieden werden.
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Aminophyllin: Wird nicht zur Behandlung von akuten Asthma-Exazerbationen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein intraoperatives Giemen ("Wheezing") ist nicht immer auf einen asthmatischen Bronchospasmus zurückzuführen. Die Leitlinie rät dazu, bei unklaren Atemwegsgeräuschen stets auch Differenzialdiagnosen wie Anaphylaxie, Tubusdislokation, Pneumothorax oder eine Aspiration in Betracht zu ziehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden Propofol oder Ketamin zur Induktion sowie Sevofluran oder Isofluran zur Aufrechterhaltung empfohlen. Diese Substanzen besitzen bronchodilatatorische Eigenschaften oder dämpfen die Atemwegsreflexe.
Es wird empfohlen, die asthmaspezifische Dauermedikation bis einschließlich zum Tag der Operation fortzuführen. Eine Ausnahme bildet lediglich Theophyllin, welches pausiert werden sollte.
Bei schlechter Asthmakontrolle und Hochrisikoeingriffen empfiehlt die Leitlinie eine fünftägige Vorbehandlung. Diese besteht aus oralen Glukokortikoiden in Kombination mit kurzwirksamen Bronchodilatatoren.
Die Leitlinie empfiehlt Rocuronium, Vecuronium oder Cisatracurium. Diese Wirkstoffe zeichnen sich durch eine sehr geringe Histaminfreisetzung aus und minimieren so das Risiko eines Bronchospasmus.
Es wird empfohlen, nach Möglichkeit supraglottische Atemwegshilfen wie die Larynxmaske zu verwenden. Diese sind mit einem geringeren Risiko für perioperative respiratorische Ereignisse und Husten verbunden als Endotrachealtuben.
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Quelle: StatPearls: Anesthesia Management in Patients with Asthma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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