Akrodynie (Quecksilbervergiftung): Chelat-Therapie
Hintergrund
Die Acrodynie, historisch auch als Pink-Krankheit oder Feer-Syndrom bekannt, ist eine seltene Manifestation einer chronischen Quecksilbervergiftung oder einer Idiosynkrasie gegenüber Quecksilber. Die vorliegende StatPearls-Zusammenfassung beschreibt das klinische Bild, welches vor allem durch schmerzhafte Extremitäten sowie dermatologische und systemische Symptome gekennzeichnet ist.
Als Auslöser nennt der Text primär elementares Quecksilber sowie anorganische Salze. Expositionsquellen im häuslichen Umfeld können zerbrochene Thermometer, quecksilberhaltige traditionelle Medikamente, alte Zahnambalgame oder bestimmte Fungizide sein.
Pathophysiologisch bindet Quecksilber an Sulfhydrylgruppen im Gewebe, was zu einer Dysfunktion von Enzymen und Strukturproteinen führt. Die Leitlinie beschreibt zudem eine Katecholamin-Dysfunktion, welche die häufig begleitende arterielle Hypertonie und Tachykardie bei den betroffenen Kindern erklärt.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Behandlung:
Diagnostik
Laut Text ist eine ausführliche Anamnese zur Ermittlung möglicher Expositionsquellen im häuslichen oder beruflichen Umfeld der erste entscheidende Schritt. Die klinische Präsentation umfasst häufig Reizbarkeit, schmerzhafte und rosafarbene Extremitäten, starkes Schwitzen sowie Photophobie.
Zur laborchemischen Sicherung wird Folgendes empfohlen:
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Bestimmung der Quecksilberkonzentration im 24-Stunden-Sammelurin
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Toxikologisches Screening von Blut und Urin zum Ausschluss anderer Schwermetallvergiftungen
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Basales Stoffwechselpanel, Leberfunktionstests und ein komplettes Blutbild
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Bestimmung von Vanillinmandelsäure (VMA) und Homovanillinsäure (HVA) im Urin bei begleitender Hypertonie
Therapie
Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist laut Leitlinie die sofortige Elimination der Expositionsquelle. Initial sollte zudem ein Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen erfolgen.
Für die spezifische medikamentöse Behandlung wird empfohlen:
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Einsatz von DMSA (Succimer) als Chelatbildner der ersten Wahl
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Beginn der Therapie bei Kindern ab einer Quecksilberkonzentration im Urin von 50 µg/mL pro Kreatinin (auch bei asymptomatischen Fällen)
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Überwachung von Blutbild, Nieren- und Leberfunktion während der Chelat-Therapie
Symptomatische Behandlung
Zur Kontrolle einer begleitenden arteriellen Hypertonie nennt der Text Antihypertensiva wie Tolazolin, Amlodipin oder Labetalol. Bei peripheren Schmerzen wird der Einsatz von Gabapentin und Pregabalin beschrieben.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| DMSA (Succimer) | Kinder: 350 mg/m² 3x tägl. (Tag 1-5), danach 350 mg/m² 2x tägl. (Tag 6-19) | Mittel der Wahl; Dosis kann je nach Symptomremission nach 2 Wochen wiederholt werden |
| D-Penicillamin | 20-30 mg/kg täglich aufgeteilt in 4 Einzeldosen | Alternative bei Nichtverfügbarkeit von DMSA; nicht wirksam bei organischem Quecksilber |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von BAL (Dimercaprol) zur Behandlung der Quecksilbervergiftung, da dies die Akkumulation von Quecksilber im Nervensystem verstärken kann.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass D-Penicillamin bei Vergiftungen mit organischem Quecksilber nicht nützlich ist und schwerwiegende Nebenwirkungen wie Nephrotoxizität verursachen kann.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie wird die Acrodynie aufgrund ihrer unspezifischen systemischen Symptome häufig fehldiagnostiziert. Es wird darauf hingewiesen, dass das klinische Bild stark an ein Kawasaki-Syndrom, ein Phäochromozytom oder an das Guillain-Barré-Syndrom erinnern kann, weshalb bei entsprechenden Symptomkomplexen immer auch an eine Schwermetallvergiftung gedacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Text zeigen betroffene Kinder typischerweise schmerzhafte, rosafarbene und geschwollene Hände und Füße. Begleitend treten häufig Reizbarkeit, starkes Schwitzen, Photophobie, Bluthochdruck und eine Schuppung der Haut auf.
Die Leitlinie empfiehlt primär die Bestimmung der Quecksilberkonzentration im 24-Stunden-Sammelurin. Blut- und Gewebeproben können ebenfalls zur Diagnostik herangezogen werden, wobei die Anamnese der Exposition entscheidend ist.
Die WHO empfiehlt den Beginn einer Therapie mit Succimer (DMSA) bei Kindern ab einer Quecksilberkonzentration im Urin von 50 µg/mL pro Kreatinin. Dies gilt laut Text auch dann, wenn das Kind noch asymptomatisch ist.
Zur Behandlung der peripheren neuropathischen Schmerzen werden in der Leitlinie Gabapentin und Pregabalin genannt. Lokal können zudem Salben mit Lidocain und Ketamin angewendet werden.
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Quelle: StatPearls: Acrodynia (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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