Acalabrutinib bei CLL: Indikation und Zusatznutzen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist ein Addendum zur Nutzenbewertung von Acalabrutinib. Er befasst sich mit erwachsenen Personen mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die bereits Vorbehandlungen erhalten haben.
Grundlage der Auswertung sind nachgereichte Daten des pharmazeutischen Unternehmers zur randomisierten kontrollierten Studie ASCEND. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das IQWiG mit der Prüfung von zwei spezifischen Fragestellungen basierend auf der aktualisierten zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Die erste Fragestellung betrifft Personen mit einer Vortherapie ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation, für die eine Chemoimmuntherapie angezeigt ist. Die zweite Fragestellung richtet sich an Personen mit mindestens zwei Vortherapien.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der ASCEND-Studie folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Gesamtbewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Acalabrutinib für die untersuchten Fragestellungen nicht belegt. Der Bericht begründet dies damit, dass die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten für die Bewertung nicht relevant sind.
Die vom G-BA festgelegte zweckmäßige Vergleichstherapie (eine patientenindividuelle Therapie) wurde in der Studie nicht umgesetzt. Daher können die Auswertungen nicht für die Nutzenbewertung herangezogen werden.
Ergebnisse nach einer Vorbehandlung
Für die Gruppe mit genau einer Vorbehandlung vergleicht die Studie Acalabrutinib mit Bendamustin plus Rituximab. Der Bericht stellt folgende statistisch signifikante Unterschiede fest:
-
Vorteil für Acalabrutinib bei den Endpunkten Diarrhö und Neutropenie
-
Nachteil für Acalabrutinib beim Endpunkt Kopfschmerz
-
Kein signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben
Ergebnisse nach multiplen Vorbehandlungen
Bei Personen mit mindestens zwei Vorbehandlungen wurde Acalabrutinib mit Bendamustin plus Rituximab oder Idelalisib plus Rituximab verglichen. Hier zeigen die Daten laut Bericht ein gemischtes Bild:
-
Vorteile für Acalabrutinib zeigen sich bei Übelkeit und Erbrechen sowie bei schweren unerwünschten Ereignissen und Therapieabbrüchen.
-
Nachteile für Acalabrutinib bestehen bei Fatigue, Schmerzen, Schlaflosigkeit und der körperlichen Funktion.
-
Auch in dieser Gruppe gibt es keinen signifikanten Unterschied beim Gesamtüberleben.
Dosierung
Die in der ASCEND-Studie verwendeten Dosierungsschemata werden im Bericht wie folgt beschrieben:
| Medikament | Dosierung | Anwendungsdauer |
|---|---|---|
| Acalabrutinib | 200 mg (2-mal täglich 100 mg) oral | Bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität |
| Bendamustin | 70 mg/m2 Körperoberfläche i.v. (Tag 1 und 2) | Maximal 6 Zyklen (à 28 Tage) |
| Rituximab (mit Bendamustin) | Zyklus 1: 375 mg/m2 i.v. (Tag 1), Zyklus 2-6: 500 mg/m2 i.v. (Tag 1) | Maximal 6 Zyklen |
| Idelalisib | 300 mg (2-mal täglich 150 mg) oral | Bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität |
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt dieses IQWiG-Berichts ist die methodische Strenge bei der Wahl der Vergleichstherapie. Obwohl Acalabrutinib in einigen Endpunkten zu Nebenwirkungen statistische Vorteile zeigte, gilt der Zusatznutzen formal als nicht belegt, da die vom G-BA geforderte patientenindividuelle Vergleichstherapie im Studiendesign nicht korrekt abgebildet wurde.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Die in der Studie verwendete Vergleichstherapie entsprach nicht der vom G-BA geforderten zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Der Bericht zeigt, dass Kopfschmerzen unter Acalabrutinib statistisch signifikant häufiger auftreten als unter der Vergleichstherapie. Bei mehrfach vorbehandelten Personen zeigten sich zudem Nachteile bei Fatigue und Schlaflosigkeit.
Die Daten deuten auf Vorteile bei bestimmten unerwünschten Ereignissen hin. So traten laut Bericht unter Acalabrutinib seltener Diarrhö, Neutropenie sowie Übelkeit und Erbrechen auf.
In den untersuchten Subgruppen der ASCEND-Studie zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben zwischen Acalabrutinib und der Vergleichstherapie.
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Quelle: IQWiG A21-87: Acalabrutinib (vorbehandelte chronische lymphatische Leukämie) - Addendum zum Auftrag A20-105 (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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