Abnabelung bei Frühgeborenen: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Frühgeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben ein erhöhtes Risiko für ungünstige gesundheitsbezogene Endpunkte. Besonders bei Geburten vor der 32. Woche treten häufig Komplikationen wie Hirnblutungen oder Atemprobleme auf.
Historisch gesehen war das sofortige Abnabeln (frühes Abnabeln) die Standardpraxis, um das Neugeborene schnellstmöglich einer spezialisierten pädiatrischen Versorgung zuzuführen. Diese Praxis wird jedoch zunehmend hinterfragt.
Ein verzögertes Abnabeln ermöglicht es, den Blutfluss zwischen Plazenta und Kind für einige Zeit aufrechtzuerhalten. Dieser Prozess, auch Plazentatransfusion genannt, soll dem Frühgeborenen helfen, sich besser an die extrauterine Atmung und den veränderten Blutkreislauf anzupassen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernaussagen zur Abnabelung bei Frühgeborenen:
Zeitpunkt der Abnabelung
Laut Review wird bei Frühgeborenen ein verzögertes Abnabeln gegenüber einem sofortigen Abnabeln (unter 30 Sekunden) favorisiert. Die aktuelle Evidenz unterstützt die Praxis, die Nabelschnur bei Frühgeburten nicht vor Ablauf von 30 Sekunden zu durchtrennen.
Der exakte optimale Zeitraum für die Verzögerung bleibt jedoch unklar. In den meisten untersuchten Studien lag die Verzögerung zwischen 30 und 60 Sekunden.
Klinische Endpunkte
Der Review vergleicht das verzögerte Abnabeln (DCC) mit dem frühen Abnabeln (ECC) hinsichtlich verschiedener klinischer Endpunkte für das Neugeborene:
| Klinischer Endpunkt | Effekt durch verzögertes Abnabeln | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| Tod vor Entlassung | Wahrscheinliche Reduktion | Moderat |
| Intraventrikuläre Hämorrhagie (alle Grade) | Leichte Reduktion | Hoch |
| Schwere Intraventrikuläre Hämorrhagie (Grad 3, 4) | Kein wesentlicher Unterschied | Niedrig |
| Chronische Lungenerkrankung | Kein wesentlicher Unterschied | Hoch |
Alternative Strategien
Das Ausstreichen der Nabelschnur (Umbilical Cord Milking) wird als Methode diskutiert, um das Blutvolumen des Neugeborenen schnell zu erhöhen. Laut Review reicht die aktuelle Datenlage jedoch nicht aus, um verlässliche Schlussfolgerungen zum Ausstreichen der Nabelschnur im Vergleich zum frühen oder verzögerten Abnabeln zu ziehen.
Auch für die sofortige neonatologische Versorgung des Kindes bei noch intakter Nabelschnur (zum Beispiel direkt am Bett der Mutter) ist die Evidenz derzeit noch unzureichend. Es werden weitere Studien zu diesen Ansätzen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review sollte bei Frühgeburten auf ein sofortiges Abnabeln innerhalb der ersten 30 Sekunden verzichtet werden, sofern die klinische Situation dies zulässt. Das verzögerte Abnabeln bietet wahrscheinlich hämodynamische Vorteile und kann die Überlebenschancen des Frühgeborenen bis zur Entlassung verbessern.
Häufig gestellte Fragen
Der Review stellt fest, dass die Nabelschnur bei Frühgeborenen nicht vor Ablauf von 30 Sekunden durchtrennt werden sollte. Der exakte optimale Zeitraum darüber hinaus ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Laut Review senkt ein verzögertes Abnabeln das allgemeine Risiko für intraventrikuläre Hämorrhagien (alle Grade) leicht. Bei schweren Hirnblutungen (Grad 3 und 4) konnte jedoch kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Die aktuelle Evidenz reicht laut Review nicht aus, um das Ausstreichen der Nabelschnur (Umbilical Cord Milking) abschließend zu bewerten. Es werden weitere Studien benötigt, um Nutzen und Risiken im Vergleich zum verzögerten Abnabeln zu klären.
Die verfügbaren Daten zeigen laut Review keine ausreichende Evidenz dafür, dass ein verzögertes Abnabeln das Risiko für eine postpartale Hämorrhagie bei der Mutter signifikant erhöht. Die Datenlage hierzu ist jedoch sehr begrenzt.
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Quelle: Cochrane Review: Effect of timing of umbilical cord clamping and other strategies to influence placental transfusion at preterm birth on maternal and infant outcomes (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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